Der Name der Straße

An der Bläufabrik

15.05.2026 32 min

Zusammenfassung & Show Notes

Es geht um die Straße „In der Bläufabrik“. - Erzählt wird die Geschichte eines Gewerbebetriebes, der ab 1773 an seinem Standort im Hespertal im Essener Süden  kobaltblaues Farbpulver produzierte und erfolgreich bis hin nach Delft exportierte.  

Literaturliste
 
Hinweisgeberin war Frau Göke
Podcast „Ruhrtal“. Folge 74:
#74 – Tannenbusch
 
Preutenborbeckstraße, In Folge 1 über den Kleinharnscheidt fällt der Name Preutenborbeck zum ersten Mal: beim ersten auffindbaren Eintrag des Familiennamens „Harnscheidt“ …datiert auf den 7.12.1590 im Findbuch 800
„Teilung des Besitzes der verstorbenen Wever zu Scheven durch Los unter Johann zu Harnscheidt, Nikolas Hoppenbreuer, Johann in der Eue, Ludger in der
Preutenborbeck und Caspar zu Scheven“
 
 „Blaufarbenfabrik in Heidhausen”. In: KuLaDig, Kultur. Landschaft. Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-WBuschmann-20100314-0003 (Abgerufen: 19. April 2026)
 
 
Die beiden in dieser Folge meistzitierten Quellen: 
 
Landbürgermeisterei Werden, von Bürgermeister Schaphaus, Nachdruck in der Reihe: Wadden Kladden, von Schmitz. Die Buchhandlung, 1.Auflage 2023
 
Das Hespertal - Ein altes Industriegebiet, von Studiendirektor Dr. F. Körholz, kommentierter und ergänzter Reprint in der Reihe Wadden Kladden, von Schmitz. Die Buchhandlung, 2.Auflage, 02. 2024
 

Das Ruhrgebiet im Industriezeitalter: Geschichte und Entwicklung, Band 1, hrsg. von Wolfgang Köllmann u.a., 1990, Schwann im Patmos Verlag, Düsseldorf
Vor allem: Seiten 13, 14.
 
 
Heimatverein - Werden:
(Aufgerufen am 9. Und 10.5.2026)
 
 
 Alaun
 
Jörn Kling (2021): „Kalksteinbrüche Hefel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343046 (Abgerufen: 19. April 2026)
 
Delfter Blau:
 
Die erste Dampfmaschine im Ruhrgebiet:
 
Der Erfinder des synthetischen Ultramarins:
 
 
 
Rückmeldungen sind möglich 
 
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Transkript

Hallo, ich heiße Hans und interessiere mich für Regionalgeschichte. In diesem Podcast geht es um Geschichten hinter den Namen von ausgesuchten Straßen im Süden der Stadt Essen. Neue Folgen gibt es an jedem dritten Freitag des Monats.
Hans
00:00:34
In dieser, der zweiten Ausgabe von "Der Name der Straße steht schon wieder eine Sackgasse Mittelpunkt. Sie ist deutlich kürzer als die letzte, weist deutlich mehr Schlaglöcher, Schotter und Sand und auch nur vier Gebäude auf, von denen eines verlassen scheint und verfällt. Die anderen drei waren früher mal Teile eines Ganzen, eines Gewerbebetriebes, an den der Straßenname erinnert. Habt ihr schon mal den Begriff Bläufabrik gehört "An der Bläufabrik" heißt die Straße. Mir kam der Begriff Bläufabrik kürzlich im Gespräch mit Frau Göke zum ersten Mal unter. Sie beschreibt den Weg, den sie als junge Frau zu Fuß mit zwei Kindern zu bewältigen hatte. Von Fischlaken aus hin zu ihren Eltern Die wohnten in Heidhausen, in der Straße, "Im Tannenbusch".
Frau G.
00:01:32
Ja, da bin ich einmal die Woche immer zu meinen Eltern in den Tannenbusch. Da hab' ich immer gedacht, wie machst du das überhaupt? Dann hab' ich den Kinderwagen gehabt, hab' dann auch noch, da war unsere Tochter dann auch schon nachher geboren, Stühlchen oben mit drauf, das Baby in den Kinderwagen drin, das eine Baby, Kleinkind sozusagen, mit dem Stühlchen oben drauf. bin ich durchs Hespertal, da bin ich dann immer hergegangen, da ging so ein Weg von der Straße ab, wo ich drüber gehen konnte. Und dann kam ich dann auf die Straße, da, Tannenbusch, Bläufabrik heißt unten das kleine Stückchen noch, und dann geht es aber hoch, Tannenbusch. Da bin ich dann immer hoch, dann Berg rauf, ne, und nachmittags von da aus dann wieder weiter, wenn ich nach Hause wollte. Man hat sich doch früher schon viel gefallen lassen.
Hans
00:02:25
Damit ihr die Steigung einschätzen könnt, gegen welche Frau Göke die beschriebene Kinderwagenkonstruktion hinaufschieben musste, das Stückchen namens Bläufabrik liegt unten im Hespertal. Die Straße "Im Tannenbusch" führt hinauf bis kurz vor die Bundesstraße 224, die hier "Bergische Landstraße" heißt. Und wenn man den Tannenbusch ganz bergauf geht, d höher gelegene Weg zur Linken, die "Preutenborbeckstraße". Dort findet sich mit 202,5 Metern über Normal Null der höchste Punkt im Stadtgebiet von Essen. Frau Göke musste in den frühen 60ern des vergangenen Jahrhunderts diese Strecke etwa bis zur Hälfte bewältigen, um ihre Eltern zu besuchen. Wir springen wieder zurück, und zwar nicht zur Straße, sondern zum Gewerbebetrieb, zur Bläufabrik. Und in das Jahr von dessen Errichtung, 1773. Den Betrieb aufgenommen, hat die Bläufabrik also in einer Zeit, in der noch das Reichsstift Werden die Regeln bestimmte. Es galt das Zunft- und Konzessionswesen. Um ein Gewerbe zu betreiben, benötigte man eine Genehmigung vom Stift Werden. Es waren Abgaben zu leisten. Die Zunftregeln mussten eingehalten werden. Mit diesen Regeln konnten Gewerbebetriebe in einer Region wie dem Hespertal praktisch verboten werden. Gute 200 Jahre zuvor, im 16. Jahrhundert etwa, gab es hier einige Schleifkotten. In vorindustrieller Zeit wurden dort von einem Wasserrad angetrieben, Klingen, Werkzeuge und Scheren an Schleifsteinen geschärft. Das sogenannte Privileg der bürgerlichen Nahrung besagte, dass nur Bürger Werdens bestimmte Gewerbe- oder Kaufmannsgeschäfte ausüben und sich ihre Nahrung damit verdienen durften. So konnten die Schleifkotten im Hespertal, deren Betreiber dieses Privileg nicht hatten, dicht machen 1773 wehte aber bereits ein anderer Wind. Den spürte Kaufmann Offermann aus Velbert wohl, als er begann eine geschäftsträchtige Idee, mit der Errichtung der Bläufabrik umzusetzen. Konkurrenz, die ihn mit Hilfe von Zunftregeln behindern hätte können, gab es weit und breit nicht. Sehr lange Zeit war sein Blaufarbenwerk das einzige in Westdeutschland. Im sächsischen Erzgebirge wurde in großem Stil hergestellt, was er produzieren und als Kaufmann wohl auch vor allem vertreiben wollte, ein kobaltblaues Farbpulver. Es gibt einige Beschreibungen des Herstellungsprozesses, auch solche mit sich widersprechenden Angaben. Als jemand, der in chemischen Dingen absolut ahnungslos ist, zitiere ich vorrangig die Quelle, die mir am nächsten ist, also von der Website des Heimatvereins Werden "Es wurden Farbpulver produziert. Die Kobalterze wurden unter Zugabe von Alaun geröstet. Durch Abtrennung von schädlichen Stoffen und unter Reinigung etwa von Pottasche und Kieselerde entstand blaues Glas, die sogenannte Schmalte. ". Ein Einschub, ChatGPT, beschreibt das Ganze bis hier als einen Schmelzprozess. Schmelzen und Schmalte, das könnte irgendwie passen. Aber zurück zur Beschreibung des Heimatvereins "Die Farbmühle walzte und malte das Glas fein aus. Durch Schwemmen und Trocknen entstand das blaue Farbpulver". Das war gerade so viel Chemie wie notwendig, um verstehen zu können, warum Kaufmann Offermann den Standort seiner Fabrik im Hespartal wählte. Denn wir müssen wissen, was brauchte er: Wasser, Hitze, Kobalterz und Alaun. Das ist der Rosenbach. Der am Gebäude vorbei und etwas später in den Hesperbach fließt. Dieser Rosenbach hat früher die Mühle angetrieben, mit der das blaue Glas, die Schmalte zu Pulver, zermahlen wurde. Und der Rosenbach hat die massiven Becken im Untergeschoss der Bläufabrik mit Frischwasser versorgt. Das war für das Schwemmen, also das Reinigen des Farbpulvers notwendig. Die Becken gab es übrigens noch bis 1970. Bergleute, der benachbarten Kleinzeche Hermann, in der nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1948 Hausbrandkohle vom Flöz "Dicke Bank" abgebaut wurde, hatten in den ersten Jahren der Förderung ihre Waschkaue in der ehemaligen Bläufabrik. Für die Produktion des kobaltblauen Farbpulvers war neben dem Wasser auch Hitze notwendig. Im späten 18. Jahrhundert, als die Bläufabrik errichtet wurde, förderte man im Hespertal auch Steinkohle. Das spätere Ruhrgebiet wurde hingegen noch 1826 für seine weithin reichende ländliche Idylle gerühmt. Wolfgang Köllmann zitiert Fürst Bückler Muskau, der seiner Schwester schrieb, von der anmutigen und sanften Natur besonders bei Steele an der Ruhr, ein Ort für den gemacht, der sich vom Getümmel des Lebens in heitere Einsamkeit zurückzuziehen wünscht". Gleiche Quelle Wolfgang Köllmann, der den Fabrikenkommissar Friedrich August Alexander Eversmann zitiert, der 1804 über die Bergtäler im nahegelegenen Bergisch-Märkischen berichtet "Überall, wo man hinhört, ist Geräusch von Hämmern und Schmieden eine lebendige Gegend, voll Geräusch, voll Geschäftigkeit, an die man so gewöhnt wird, dass an der schönsten Gegend, ohne dieses Lärmen, man keinen Genuss mehr finden kann" Steinkohlenbergbau wird in den Tälern südlich der Ruhr und wird auch im Hespertal schon seit Jahrhunderten betrieben. Erste schrittliche Belege gibt es aus dem späten 14. Jahrhundert. In dieser Gegend trat die Kohle zu Tage, oder sie fand sich doch in Tiefen, die den Abbau auch mit damaligen Mitteln zuließen. Ich gebe zu bedenken, die Dampfmaschine wurde erst durch die Verbesserungen, die James Watts in den 60er und 70er Jahren des 18. Jahrhunderts vornahm, wirtschaftlich nutzbar. Auch im Transportwesen herrschten noch klimafreundliche Zustände. Die effektivste Methode auf dem Land war das Pferdefuhrwerk. Aber, so gibt der erste und einzige Bürgermeister der Gemeinde Werden-Land, Ferdinand Aloys Schaphaus, zu bedenken: Die Wege in dem Bergischen Land waren für die Wagenlasten zu schlecht. Man beförderte die Kohle mit Pferden, welche auf ihrem Rücken etwa zwei Ringel tragen konnten". Das entspricht drei Zentnern. Auch das Kobalterz betreffend gibt es- allerdings eher zurückhaltende Quellen, die es für möglich halten, dass es im Hespertal abgebaut wurde. Es sei jedenfalls merkwürdig, führt Bürgermeister Schaphaus an, dass der Oberhesperhof, auf dessen Boden das Blaufarbenwerk lag, seit dem 15. Jahrhundert Cabaltz- oder Kabolshespe heißt "Das kann gewiss von dem Familiennamen Kabold herrühren, der in jener Zeit in Werden, wenn auch nicht gerade im Hespertal erwähnt ist, aber jedenfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass der Name mit Kobalt zusammenhängt", meint er. Als Hauptbezugsquelle für das Kobalterz wird denn auch meist das Siegerland mit seinem seinerzeit schnell wachsenden Kobaltbergbau angegeben. Zeitweise entstanden dort bis zu 50 neue Förderstätten pro Monat. Aber so direkte Nachbarn sind Hespertal und Siegerland ja nun auch nicht. Transportwesen Hhm... Wen oder was kann ich da mal fragen?
hans
00:11:09
Die Blaufärberei im Hespertal bezieht Kobalterz aus dem Siegerland. Kannst du mir kurz den Transportweg beschreiben?
Maple
00:11:20
Das Kobalterz aus dem Siegerland wurde damals per Fuhrwerk transportiert. Es legte den Weg über Landstraßen zurück, etwa durch das Märkische Sauerland. Typisch war die Route über Iserlohn und Hagen. Dort konnte man entlang der Ruhr weiter Richtung Essen ziehen. In Essen-Heidhausen im Hespertal kam das Erz dann in der Blaufärberei an.
Hans
00:11:41
Das hört sich dann doch eher sehr beschwerlich und mit heutig geprägten Augen angeschaut auch nicht unbedingt rentabel an. Aber die Wege zu anderen Kobaltabbaugebieten im Harz oder gar ins Erzgebirge waren deutlich weiter. Die Kobaltpreise im Siegerland dürften angesichts des dort expandierenden Abbaus geporzelt sein. Und der Transportweg des Kobalterzes war im Produktionsprozess der eindeutig längste. Denn der zweite für die Herstellung des kobaltblauen Farbpulvers notwendiger Rohstoff, das Alaun, kam aus Velbert. Genau genommen aus der Verlängerung des Hespertals, dem Hefeltal. Dort befindet sich seit 1572 eine Alaungrube, die Engelsthal, später auch Aurora genannt. Studiendirektor Dr. Franz Körholz legt in seiner Schrift "Das Hespertal" dar, dass dieses von einer Grenze durchzogen wird. Einer Grenze, die Gebiete trenne, die erdgeschichtlich unterschiedlichen Stufen angehören würden. So finde sich im unteren Teil, wo wir uns bis jetzt aufgehalten haben, auf den Höhen, die den Hesperbach umgeben, Steinkohle. Während am Oberlauf des selben Bachs, also jetzt sind wir in Velbert, Kalkstein und Alsunschiefer zu Tage treten. Dr. Körholz zeigt auch Absatzmöglichkeiten für das Alaun auf und deutet damit Transportwege an, von der Grube Aurora durch das Hespertal hin nach Werden. Und auf diesem Weg kommt man dort vorbei, wo 1773 die Bläufabrik errichtet wird. Und deren Produkt, das blaue Farbpulver, das benötigen genau die Abnehmer, die sich das Alaun liefern lassen. Also, das Pferdefuhrwerk fährt den schon lange benutzten Weg am Hesperbach mit mehr Alaun als in Werden benötigt, vom Hefeltal in Velbert los. Ein Teil des Alauns wird am Rosenbach beim Blaufarbenwerk abgeliefert und dessen Produkt, das Farbpulver, wird stattdessen aufgeladen und weiter geht es, den schon lange benutzten Weg nach Werden. Die seit dem 16. Jahrhundert existierende Linnebornsche Papiermühle und eine deutlich später in Betrieb genommene Papiermühle am unteren Hesperbach verwenden Alaun zum Leimen des Papiers. Mit dem blauen Farbpulver werden hochwertigere Produkte, etwa Büttenpapier oder auch Fein- und Schreibpapiere aufgehellt. Ein minimaler Zusatz neutralisierte den leicht gelblichen Ton. Ein Prozess, der zu einem neutraleren, weißeren, Weiß führte. Werden, einst auch Weberstadt genannt, hatte damals ein florierendes Tuchmachergewerbe. Viele Betriebe also, die Alaun als Beizmittel benötigten, um Farben an Fasern zu fixieren und somit haltbarer und waschfester zu machen. Und das kobaltblaue Farbpulver wurde natürlich zum Färben von Textilien benutzt. Es ergab einen stabilen, intensiven Blauton. Wenn man jetzt bedenkt, wo dieses blaue Farbpulver zuvor herkam oder hätte herkommen können, nämlich aus dem Harz oder vom Marktführer im Erzgebirge. Und ein grenzenloses Deutschland wurde erst 100 Jahre später blutig erzwungen. Also haben die deutlich längeren, beschwerlicheren Wege und die auf diesen anfallenden diversen Zölle zu einem Preis geführt, den der Kaufmann Oppermann aus Velbert mit dem Produkt aus seiner Bläufabrik deutlich unterbieten konnte. Und die Geschichte der Geschäftstüchtigkeit von Kaufmann Oppermann ist noch nicht zu Ende erzählt. Sein Denken war, wenn es um Absatzmärkte ging, nicht nur regional. Er wusste, dass kobaltblaues Farbpulver auch im niederländischen Delft benötigt wurde. Die dort ansässigen Porzellan- und Keramikmanufakturen benötigten es zum Einfärben ihrer Produkte und für Unterglasuren. Delfter Blau ist bis heute ein Begriff, aber es gab aus dem Hespertal heraus 1773 keinen rentablen Transportweg nach Delft. Transportwege brauchte auch Preußen, der mächtige Nachbar des Reichsstifts, werden. Preußen hatte 1766 die Bergordnung mit einem Erlass ergänzt. Es war unter Androhung von Strafen bis hin zu Festungshaft verboten, nicht-preußische Kohle zu verbrauchen. Ähnliche Regelungen gab es für Salz. Ziel dieser Wirtschaftspolitik war Unabhängigkeit von nicht-preußischen Rohstoffen und eine Steigerung der Staatseinnahmen. Und durchzusetzen war das nur, wenn Preußen auch gewährleisten konnte, dass preußische Rohstoffe überall hin geliefert werden konnten. Anfang der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts nahm das preußische Berg- und Hüttendepartement die Pläne zur Schiffbarmachung der Ruhr wieder auf. Solche Pläne hatte es in den Jahren zuvor immer wieder gegeben. Zuletzt war 1754 ein privates Konsortium trotz vertraglicher Abmachung mit Preußen am Widerstand der Stifte in Werden, in Essen und an der jüdisch-bergischen Regierung in Düsseldorf gescheitert. 1774 ist der Widerstand überwunden, wohl auch eine Folge der schwindenden Macht des Reichsstifts Werden, dass 1802 im Zuge der Säkularisation an Preußen fallen wird. 1774 jedenfalls beginnt Preußen mit dem Schleusenbau. Ab 1780 ist die Ruhr zwischen Witten und Duisburg-Ruhrort schiffbar. Der Rhein, die niederländischen Hafenstädte, an dessen Mündung etwa Rotterdam und von dort aus auch Delft als weiterer Markt für das blaue Farbpulver, sind damit erschlossen. Die Geschäfte des Kaufmanns Offermann laufen. Er baut seine Bläufabrik aus. In den Ankersplinten des Fundaments des Gebäudes, das heute die Hausnummer 1 trägt, findet sich die Jahreszahl 1797. Die schiffbare Ruhr führt insgesamt zu einer Belebung des Wirtschaftslebens auch im Hespertal. Und auch die Einverleibung der Reichsabtei durch Preußen 1802 scheint sich positiv auszuwirken. Das beschreibt jedenfalls Bürgermeister Schaphaus, der mit Blick auf die Bläufärberei festhält, dass sie die für die damalige Zeit beträchtliche Zahl von 10 Mitarbeitern beschäftigt habe. Dr. Körholz ergänzt, zeitweise hätten bis zu 40 Mann im Lohn gestanden. Der Wert des überwiegend in die Niederlande verkauften kobaltblauen Farbpulvers habe jährlich zwischen 15.000 und 18.000 Reichstalern gelegen . ChatGPT sträubt sich zwar ein wenig,gibt aber dann an, dass das heute durchaus mehrere Millionen Euro sein könnten. Kurz innehalten, dies ist der Gipfel der Erfolgsgeschichte. Durchatmen. Ach, einen Giftpfeil muss ich noch schnell in der Zeit zurückwerfen. Das Schmelzen von Kobalterzen setzt arsenhaltige Dämpfe frei, die sich für die Mitarbeiter der Bläufabrik lebensverkürzend ausgewirkt haben dürften. Den Weg zum Ende der Bläufabrik im Jahre 1854 gibt es gleich gerafft. Zunächst und zur Einstimmung auf diesen könnt ihr jetzt einen Trip-Hop hören, den ich die Musik-KI Suno bat, zu meinem Text zu errechnen. 1802 ließ die damalige Zeche Wohlgemuth in Kupferdreh als erste im Ruhrgebiet eine Dampfmaschine bauen. Das lief aber noch nicht so richtig rund. 1806 überrennen unter Napoleon die Franzosen die Region. Sie bringen eine neue Einteilung von Verwaltungsbezirken, den Napoleonischen Code, Gewerbefreiheit. Sie bauen die von den Preußen begonnene Provinzialstraße von Werden nach Velbert, heute die B224, zu Ende. Die führt weit vorbei am Hespertal und an der Bläufabrik. Bis 1814, da übernehmen nach Napoleons Niederlage wieder die Preußen. Bis dahin aber bedrängen Kriegswirtschaft, die Kontinentalsperre und Kontrollen das Wirtschaftsleben 1814. Preußen ist wieder tonangebend. Die beiden in dieser Folge meist zitierten Autoren berichten von einer Phase der wirtschaftlichen Erschöpfung nach den langen Kriegen. Viele Betriebsanlagen im Hespertal sind veraltet. Man hat den Anschluss verloren. Anderswo seien neue dampfbetriebene Werke deutlich rentabler im Einsatz. Vor allem auch die Kohleförderung wandert nach Norden. Dank der Dampfmaschine und den damit möglichen Wasserpumpanlagen können tieferliegende und sehr viel ertragreichere Vorkommen abgebaut werden. Das Ruhrgebiet löst die Gewerbegebiete in den Tälern südlich der Ruhr als Wirtschaftszentrum mit Siebenmeilenstiefeln ab. Mitte des 19. Jahrhunderts werden im Ruhrgebiet erste Bahnstrecken geplant. Die Ruhr wird ihre Bedeutung als Transportweg, gerade mal 50 Jahre nachdem sie schiffbar gemacht wurde, wieder verlieren. Irgendwie scheint Kaufmann Offermann mit seiner Bläufabrik noch in einer Nische weiter produziert und gehandelt zu haben. Allmählich aber, schreibt Körholz, ging der Absatz zurück 1830 habe der Besitzer das Werk stilllegen lassen und er sei Kaufmann geworden Hhm... Wann war die Bläufabrik nochmal errichtet worden? Also wenn Körholz nicht den Nachfolger des Gründers meint. Der Gründer selbst wird bei der Errichtung als Kaufmann bezeichnet. Er betreibt dann 57 Jahre lang die Fabrik und wird dann wieder Kaufmann. Bei der dünnen Quellenlage möchte ich doch lieber, losgelöst von aller Nachweispflicht, annehmen, dass er sich aus Altersgründen zurückzog. Beim Verkauf der Bläufabrik gelang es ihm die Bedeutung der Tatsache herunterzuspielen, dass die Alaungrube Aurora im gleichen Jahr zugemacht hat oder jedenfalls bald schon zumachen würde. Tatsächlich wird als Datum der Schließung der Bläufabrik meist 1854 angegeben Es lief also auch ohne die Grube Aurora?! Das endgültige Ende wurde wohl vor allem durch die Entwicklung günstigerer und auch ungiftiger blauer Pigmente besiegelt. Jean-Baptiste Guimet etwa entwickelte ein Verfahren zur synthetischen Herstellung von Ultramarin. Es waren also keine teuren, kompliziert zu behandelnden mineralischen Ausgangsstoffe mehr nötig. 1824 gründete Guimet bei Lyon eine Fabrik. Jetzt waren es die Preise des Hespertaler Blaus, die deutlich unterboten wurden. Manches kehrt wieder. Eine zentrale Herausforderung sei der steigende Bedarf an Kobalt. Einem essentiellen Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien kann man auf der Website industriemagazin. de lesen. Die früheren Abbaugebiete im Erzgebirge, erfährt man dort, werden erforscht. Ob da auch heute noch wieder was geht? Vermutlich wird man die Preise des heute weltweit führenden Anbieters der Demokratischen Republik Kongo nicht unterbieten können. Und wegen der Gesundheitsrisiken und Arbeitsschutzvorschriften, die man beim Abbau berücksichtigen müsste, wird man sich da, denke ich, auch nicht allzu sehr ins Zeug legen. Ach ja. Und zuletzt noch eine Art Ehrenrettung für die Straße an der Bläufabrik. Die war nämlich früher mal eine echte Straße, nicht nur eine verfallende Sackgasse. Sie führte unten vom Hespertal hin zum Kamillusweg. wurde aber in ihrem oberen Bereich die Hälfte der Straße von landwirtschaftlicher Fläche verschlungen. Danach hieß etwas, das wie eine einzige Straße wirkte erst an der Bläufabrik und wurde dann unvermittelt zum davor nur Abzweigenden im Tannenbus. Deswegen sagte Frau Goecke eingangs dieser Folge,
Frau G.
00:28:08
Bläufabrik heißt unten das kleine Stückchen noch, und dann geht es aber hoch, Tannenbusch.
Hans
00:28:14
Dass die Straße "Im Tannenbusch" dann bis ins Hespertal hinunter verlängert wurde und dass von der Straße "An der Bläufabrik" nur noch eine abzweigende kleine Sackgasse übrig blieb, hatte wohl vor allem den Grund, dass es in dem fraglichen Zwischenstückchen keine Gebäude gab und so durch die Verlängerung des Tannenbusch niemandem eine neue Adresse aufgedrückt werden musste. Das bleibt also. Eine verstümmelte Straße, die nicht mal auf Wikipedia in der Liste der Straßen von Heidhausen erwähnt wird, ein paar Gebäude, eine Gedenktafel und ein Straßenschild. Als Outtake noch etwas, das Suno auf das Kommando Speed Metal rausgehauen hat. Keine Angst, ist es nicht. Es ist sehr viel schlimmer. Denen, die vorher aussteigen wollen, sowie auch den ganz Hartgesottenen, die noch dranbleiben, euch allen: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei
hans
00:29:19
Der Name der Straße.