Der Name der Straße

Peter Ulner Platz

12.10.2026 117 min

Zusammenfassung & Show Notes

 In dieser Episode geht es um den Peter-Ulner-Platz, der am 19.Juli 2026 eingeweiht wurde. Peter Ulner soll 1550 die evangelische Gemeinde in Werden gegründet haben. Warum das wohl nicht so, und wie es denn vielleicht tatsächlich gewesen sein könnte, darum geht es. 

Literatur
 
Die Ausgabe der Werdener Nachrichten vom 24 Juli 2026 mit dem Bericht „Ein neuer Platz für Begegnungen“ auf der Titelseite hatte ich nur analog vorliegen.
 
Peter-Ulner-Platz in Essen-Werden - Festschrift zur Einweihung am 19.Juli 2026
 
Darin: Dr. Wessel de Weldige Cremer: Peter Ulner – Benediktiner aus Werden auf dem weg zur Reformation. In: Festschrift 450 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Werden, 2000
 
Reinhild Stephan-Maaser: Vom Werdener Mönch zum evangelischen Abt in Magdeburg: Peter Ulner und die Reformation, in Das Jahrtausend der Mönche. Klosterwelt Werden 799 – 1803, Ausstellungskatalog, hg v. Jan Gerchow, Ruhrlandmuseum Essen, Essen 1999, S.154-163
 
Link zu Robert Hempels Geschichte der evangelischen Gemeinde:
 
Ich habe aber aus der von Bruno Weiß neu verfassten und ergänzten Ausgabe von 1925 zitiert
 
Link zum Ersten Band der Geschichte der Pfarreien von Dr. Peter Jacobs
 
Leichenpredigt Siegfried Sack für Peter Ulner
 
Sonntagsblatt zum Abendmahl
 
Zum Streit Hempel – Jacobs: Klaus Höffgen: Unter beiderlei Gestalt-Kirchenstreit zwischen den Konfessionen, Geschichten aus der Werdener Geschichte, Band 9, 2011, S. 122ff
 
Zur Zeugenvernehmung Peter Wallmann: Peter Ulner und die Anfänge der Reformation im Stift Werden, 1987, Monatsheft der evangelischen Kirchengeschichte, 36. Jahrgang, 1987
 
Hans-Joachim Massner: Peter Ulner und die Reformation in Werden, 1982
 
Die Informationen über die Herkunft des ehrwürdigen Kelches fand ich hier:
Der geteilte Himmel – Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr, Katalog zur Ausstellung im Ruhr Museum 2017
 
Hin und Wieder hab eich natürlich auch bei einschlägigen Wikipedia Artikeln reingeschaut oder mich mit Chat GPT ausgetauscht.
 
Musik
 
John Dowland
 
 
Kirchenlieder Luthers
 
 
 
 
 
Beethoven op. 135
 
Spottverse, die in Konfessionellen Auseinandersetzungen auf einem Essener Schulhof in den 50ern Verwendung fanden
 
„Evangelische Ratten, in der Pfanne gebraten, mit Schnittlauch garniert dem Teufel serviert.“
 
„Katholische Mäuse, die haben Läuse, man muss sie vernichten, zu Müllhaufen schichten“
 
Ich duze nicht alle Bewohner*innen des Pflegeheimes, in dem ich arbeite, und auch nicht alle, die in dieser Episode für ein bisschen Abwechslung sorgen, indem sie einige Zitate eingesprochen haben. Zur Anonymisierung folgen aber jetzt nur die Vornamen. Mein Dank geht an Marianne, Adelgunde, Hildegard und Hans-Jürgen
 
 
Rückmeldungen sind möglich 
 
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Transkript

hans
00:00:18
Hallo, ich heiße Hans und interessiere mich für Regionalgeschichte. In diesem Podcast geht es um Geschichten hinter den Namen von ausgesuchten Straßen im Süden der Stadt Essen. Neue Folgen gibt es an jedem dritten Freitag des Monats. - Halt, halt! Nachdem ich jetzt zweimal nicht rechtzeitig fertig geworden bin, mit der jeweils neuen Episode, habe ich mich entschieden, dass ich eine gemächlichere Veröffentlichungsfrequenz benötige. Neue Folgen gibt es ab jetzt am 15. eines jeden dritten Monats. Starten werde ich mit diesem Modus mit der nächsten Episode, Die am 15. Januar veröffentlicht werden soll.
Hans
00:01:05
Jetzt aber die letzte der verspätet veröffentlichten Folgen. Diesmal geht es um die Frage, wie schwierig es sein kann, historische Ereignisse eindeutig zu datieren, gerade in bewegten Zeiten. Zeiten der Umwälzung, Zeiten, die von neuen Ideen, aber auch von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt sind. Es geht um die ersten Jahrzehnte der Reformation. Und was in diesen Jahren geschah, waren oft Prozesse. Die beginnen nicht im Rampenlicht und meist auch nicht an einem klar zu benennenden Tag. Benötigt man später aus rechtlichen Gründen oder auch für eine Gedenkfeier ein konkretes Ereignis oder gar ein konkretes Datum, dann kann das dazu führen, dass ein solches Ereignis fingiert wird, dass eine Legende gesponnen wird und dass diese Legende irgendwann nicht mehr als solche, sondern als geschichtliche Tatsache wahrgenommen wird. Am 29. September 2025 feierte die evangelische Kirchengemeinde Werden ihr 475-jähriges Bestehen. Bei der Berechnung ihres Alters bezieht sie sich auf eine Abendmahlsfeier in der Luciuskirche. Am 29. September 1550 habe Peter Ulner mit seiner Gemeinde das Abendmahl unter beiderlei Gestalt gefeiert. Die Gemeindeglieder hätten also sowohl Brot als auch Wein empfangen. Und das sei damals ein deutliches Zeichen reformatorischer Erneuerung gewesen. Am 27.Januar 2025, also fast 476 Jahre später, stimmte die Bezirksvertretung Neun bei zwei Enthaltungen für die Benennung des Platzes vor der Luciuskirche nach Peter Ulner. Im Sommer dann, am 19. Juli 2026, wurde der Peter-Ulner-Platz eingeweiht. Eine Festschrift wurde ausgegeben. Darin ist auszugsweise ein Vortrag abgedruckt, den Dr. Wessel de Weldige Cremer am 20. September 2000 zur 450-Jahr-Feier der Gemeinde gehalten hat. Im dritten Absatz des Textes, nach einer kurzen Einleitung, die das Prozesshafte der Reformation umreißt, schrieb er unmissverständlich, dass die Entstehungsgeschichte, die sich auf Peter Ulner als Gründer beruft, einer historisch-kritischen Betrachtung nicht standhalte. Auf der Infotafel die am Peter-Ulner-Platz steht, 2026 aufgestellt, also mehr als 25 Jahre später, wird das dann wieder nur vage angedeutet. Die Entstehungsgeschichte mit Peter Ulner und dem Michaelistag 1550 wird als Überlieferung zitiert, und es folgt der für leichte Distanz offene, aber ansonsten wiederhakenlose Satz: "Die evangelische Kirchengemeinde Werden führt ihre Anfänge auf diesen Tag zurück." Immer wieder wurde als schriftlicher Beleg für diese Entstehungsgeschichte eine Gravur auf dem Fuß eines Abendmahlskelches herangezogen. Dieser Kelch ist bis heute im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Werden. Nach dem Christusmonogramm ist dort zu lesen MICHAEL. 1550. SUB. UTRAQ. SPEZIE. PET. ULLNERUS. P. A. C. Immer wieder, zuletzt in einem 1982 erneut herausgegebenen Text von Pfarrer Hans-Joachim Massner, wurde dieser Kelch nah an das Ereignis herangerückt, das er belegen soll. Peter Ulner habe den Kelch als Erinnerung gespendet, schrieb Massner. Der Text auf dem Fuß des Kelches ist demgemäß so zu verstehen. Auf das Christusmonogramm folgt zunächst das Datum, der Michaelistag 1550. Dann das Ereignis, an das erinnert werden soll, also das Abendmahl unter beiderlei Gestalt. Und schließlich Name und Beruf des Spenders Peter Ulner, Pastor Augsburger Konfession. Die Augsburger Konfession, auf Lateinisch Confessio Augustana, ist eine grundlegende Bekenntnisschrift der Wittenberger Reformation. Sie wurde unter anderem von Philipp Melanchthon verfasst, damit die reformatorisch gesinnten Reichsstände, angeführt von Kurfürst Johann von Sachsen auf dem Augsburger Reichstag von 1530, ihre Position darstellen konnten. Die Entstehung des Kelches wird heute aufgrund barocker Stilelemente und wegen Beschau- und Meisterzeichen im 17. Jahrhundert vermutet. Der Kelch könnte aus Erfurt stammen, aus der Werkstatt des Goldschmieds Jakob Engau. Engau lebte von 1602 bis 1678. Sein Wirken als Meister ist ab 1635 nachgewiesen. Peter Ulner, der am 6. September 1595 mit fast 72 Jahren verstarb, kommt damit als Spender des Kelches nicht in Frage. Allerdings könnte der Kelch 100 Jahre nach dem vermeintlichen Gründungsdatum Verwendung gefunden haben. Und zwar am Michaelistag 1650. Dem Tag der Weihe der ersten, selbst erbauten Kirche der evangelischen Gemeinde Werden Allemal, der Kelch ist ein ehrwürdiger, geschichtsträchtiger Gegenstand. Und diesen ehrwürdigen Kelch erwählte irgendwann zwischen 1811 und 1846 Friedrich Rommel. Robert Hempel war der Nachfolger von Friedrich Rommel als evangelischer Pfarrer der Gemeinde Werden. In der Rheinisch-Westphälischen Zeitung vom 10. Mai 1894 erklärte er, dass sein Vorgänger irgendwann während seiner Amtszeit die eben zitierte Inschrift am Fuß des ehrwürdigen Abendmahlskelches habe anbringen lassen. Nähere Angaben, wann genau und warum das geschehen war, machte Robert Hempel nicht. Ein spekulativer Einschub. Friedrich Rommel war lange Pfarrer in Werden. Er beschäftigte sich nachweislich mit Peter Ulner. Vielleicht vermisste er schriftliche Nachweise für den in der Gemeinde überlieferten Gründungsakt durch Peter Ulner. Oder er befürchtete, dass andere solche Nachweise vermissen könnten. Immerhin stand die 300-Jahr-Feier des Bestehens der Gemeinde bevor, sofern man der Überlieferung Glauben schenkte. Und wenn man das tat, war es da nicht einfach nur ein wenig Unterstützung für die glaubensschwächeren, vielleicht auch für die nicht-evangelischen Mitmenschen, wenn man am Fuß des ehrwürdigsten Abendmahlskelches, der sich im Besitz der Gemeinde befand, eine Gravur anbringen ließ? Aber warum ließ sein Nachfolger, warum ließ Robert Hempel Friedrich Rommel am 10. Mai 1894 aufliegen? Robert Hempel war 1894 schon zehn Jahre lang nicht mehr in Werden tätig. Der Gemeinde war er aber noch verbunden. Deren Pfarrer war er von 1847 bis 1884, also 37 Jahre lang, gewesen. Er hatte eine Geschichte der evangelischen Gemeinde zu Werden verfasst. Die wurde dreimal, zuletzt 1925, wieder aufgelegt. Die erste Ausgabe dieser Schrift erschien 1850, also zur 300-Jahr-Feier der Gemeinde Werden. Sofern man der Entstehungsgeschichte folgt, die Peter Ulner als Gründungsvater ansieht. Und das tat Robert Hempel. Im Jahre 1894, als er öffentlich machte, durch wen die Gravur auf den Fuß des Kelches gekommen war, war Robert Hempel, Konsistorialrat, am Sitz der Regierung der Rheinprovinz in Koblenz. Er verstarb 1898, mit 80 Jahren. Warum also ließ er vier Jahre vor seinem Tod seinen Werden der Amtsvorgänger auffliegen? Gab bekannt, dass Friedrich Rommel die Inschrift am Fuß des sogenannten Ulner Kelches hatte anbringen lassen. Ein vager Hinweis, dass die Inschrift später entstand, findet sich zumindest seit der zweiten Ausgabe von 1893 in seiner Geschichte der evangelischen Gemeinde zu Werden. Einen Monat bevor Hempel seinen Vorgänger auffliegen ließ, hatte er am 11. März 1894 anonym ein mehrbändiges geschichtliches Werk in der Rheinisch-Westfälischen Zeitung besprochen. Dieses Werk hieß Geschichte der Pfarreien im Gebiete des ehemaligen Stiftes Werden an der Ruhr. Verfasser war der katholische Pfarrer Peter Jacobs. Geboren 1848, wurde er 1872 zum Priester geweiht. Er war als Priester immer in Werden tätig, davon 40 Jahre als Pfarrer der Strafanstalt. Die war in den Gebäuden der mittlerweile ehemaligen Abtei untergebracht. Heute befindet sich dort übrigens die Folkwang-Universität. Vor, Dr. Peter Jacobs, die umfangreiche Schrift war seine Doktorarbeit, er hatte historisch in allen Punkten Recht, vor allem in einem: Peter Ulner hat die evangelische Gemeinde in Werden nicht gegründet. Es entspann sich eine Pressefehde. Während Peter Jacobs seine Beiträge in der katholischen Essener Volkszeitung veröffentlichte, wurde die Gegenansicht von Robert Hempel in der bereits erwähnten, evangelisch gesinnten Rheinisch-Westphälischen Zeitung abgedruckt. Neben Ansichten und Argumenten wurden Beleidigungen ausgetauscht. Hempel hielt seinem katholischen Widersacher vor:
"Robert Hempel"
00:12:47
Nur solche Quellen werden als glaubwürdig angenommen, die der Verfasser zu seinem Zwecke benutzen kann. Und aus anderen wird nur das geschöpft und außer dem Zusammenhang angeführt, was hierzu dienlich erscheint. Das Dogma korrigiert die Geschichte."
Hans
00:13:08
Die Evangelische Rheinisch-Westphälische Zeitung wirft Peter Jacobs in einem abschließenden Beitrag vor, er habe seine Doktorarbeit nach bekannten ultramontanistischen Mustern verfasst. Ultramontanistisch, ein Schimpfwort, so altmodisch, dass es heute erklärt werden muss Ultra montes, lateinisch für jenseits der Berge, gemeint sind die Alpen, kritisiert wird ein Rom, also Papst - zentrierter Glaube. Dr. Jacobs konnte aber auch zurückgeben.
"Dr. Peter Jacobs"
00:13:46
Eine historische Darstellung, die sich an die Quellen anschließt und nicht die Geschichte zusammenphantasiert, muss daher den Übertritt Ulners mit seiner Gemeinde in das Reich der Fabel verweisen. Damit Gott befohlen: Herr Konsistorialrat, früherer Pfarrer und Historiker Hempel.
Hans
00:14:14
Auch, wenn er historisch in allen Punkten Unrecht hatte. Das letzte Zitat in dieser Sache kommt aus der evangelischen Ecke, also von Robert Hempel.
"Robert Hempel"
00:14:25
Sie wagen es der evangelischen Gemeinde werden, ins Angesicht zu sagen, dass sie seit Jahrhunderten statt einer Thatsache "eine Mythe" gefeiert habe. Dabei ist besonders charakteristisch für ihre Kampfesweise, dass sie den betreffenden Geistlichen, meinen Vorgänger Rommel, der, wie ich selbst berichtet habe, diese Inschrift auf dem Kelch hat gravieren lassen, verdächtigen, er habe es nicht verschmäht, den Urkunden und der Tradition auf künstliche Weise nachzuhelfen. Ich bin mit Ihnen fertig, Herr Strafanstaltspfarrer Dr. Jacobs.
Hans
00:15:18
Also, aber nur als Vermutung, Robert Hempel hat die Inschrift am Fuß des Kelches zu Beginn dieser Kontroverse als relativ frisch geoutet, nämlich als eine Inschrift, die von seinem Vorgänger angebracht worden war, weil er wusste, oder doch befürchten musste, dass man ihm diesen Umstand sonst um die Ohren hätte hauen können. Auf das vage Eingeständnis Hempels in seiner zweiten Auflage der Geschichte der evangelischen Gemeinde weist auch Pfarrer Jacobs in seiner Arbeit hin. Vielleicht gab es noch ältere Gemeindemitglieder, die den Kelch ohne Inschrift kannten, und die vielleicht hätten plaudern oder gar Hempel in Verdacht hätten bringen können. Mit seinem offensiven Geständnis kam er nicht nur der Gegenseite zuvor. Er bewies auch seine Ehrlichkeit. Wenn er ein solches Argument in Wahrheitsliebe aus der Hand gab, dann musste er doch in allen anderen Punkten Recht haben!? Historisch liegt Hempel mit seiner Darstellung der Entstehungsgeschichte der evangelischen Gemeinde Werden, jedenfalls nach heutiger Forschung, falsch. Ob er das mittlerweile selbst befürchtete? Das lässt sich nicht klären. In jedem Fall hatte er sich mit seinem Namen und seinem Ruf voll darauf eingelassen, die überlieferte Entstehungsgeschichte als historische Tatsache anzusehen. Er hätte in keinem Fall zurückrudern können. Er war schließlich Zeremonienmeister der 300-Jahr-Feier gewesen, hatte die Geschichte der Werdener Reformation entsprechend geschrieben und diese als historische Tatsache seiner Gemeinde sowie deren Stützen und Geldgebern verkündet. So versuche ich mir irgendwie die außerordentlich empörungsreichen Reaktionen auf seinen Widersacher Dr. Jacob zu erklären. Denn abgesehen davon, dass Hempel bei der Beschreibung des Entstehungsaktes eine Überlieferung als historische Tatsache schildert liest sich seine kenntnisreiche Geschichte der evangelischen Gemeinde zu Werden auch heute noch flott weg. Nebenbei, in digitalisierter Form für lau zu haben, wie übrigens auch die Schrift des Dr. Jacobs. Links finden sich in den Shownotes. Hempel beschreibt eigentlich auch, warum man in Werden bei der Bestimmung des Gründungsmoments der evangelischen Gemeinde auf eine Legende fast schon zurückgreifen musste. Das war ein Auszug aus der Komposition »Say Love« von John Dowland. Von diesen Komponisten des elisabethanischen Zeitalters waren bei der Einweihung des Peter-Ulner-Platzes Werke zu hören, dargeboten von Mitgliedern der Brassband Essen. John Dowland verbrachte einige Zeit am Hof von Heinrich Julius in Wolfenbüttel, dem Enkel des Herzogs, bei dem Peter-Ulner zwei Generationen zuvor mehrere Jahre lang Hofprediger gewesen war. Doch davon etwas später. Es fällt nicht leicht, ein geschlossenes Bild von den weiteren Geschehnissen zu geben. So leitet Hempel seinen Bericht über das ein, was in den Jahren nach der vermeintlichen Gemeindegründung durch Peter Ulner geschah. In den Nachbargemeinden sei die Reformation inzwischen heimisch geworden. In Kettwig sei Pater Grimhold 1609 mit seiner Gemeinde zum reformierten Glauben übergetreten. Die Peterskirche wurde zur Kirche am Markt. Bereits 1560 habe sich ein evangelischer Pfarrer in Velbert niedergelassen. Dort habe man mit der lutherischen Gemeinde Besitz von der Kapelle der Heiligen Ida ergriffen. In Werden, sozusagen im Schatten der Reichsabtei finden sich zwar immer wieder lutherisch gesinnte Christen zusammen, es gelingt aber nicht, eine feste Predigtstätte zu übernehmen. Dabei werden auch die Namen und Geschichten von herausragenden Predigern überliefert. Manche noch katholisch, andere offen reformatorisch. So vor allem Pastor Franz Homberg, der in der Clemenskirche predigte. Er war zunächst katholisch, Benediktiner und Mönch in Werden und trat dann zum lutherischen Glauben über. Immer radikaler sei sein Auftreten geworden, unterstützt von Vertretern der Stadt. zwischen Abtei und Stadt Werden und zur Gründung einer lutherischen Gemeinde. 1603 musste Homberg zunächst weichen. Im folgenden Jahr kehrte er zurück. 1607 verlegte er dann auf einen herzoglichen Ausweisungsbefehl hin seinen Tätigkeitsschwerpunkt nach Repelen in der Nähe von Moers, wo er 1621 verstarb. Überliefert ist ein Ausspruch, der in seiner Lutherhaftigkeit eigentlich nur erfunden sein kann. Der Küster habe die Messgewänder bereitgelegt und Franz Homberg habe sie mit den Worten zurückgewiesen, "Mich friert nicht, ich habe der Kleider genug an!" Gepredigt wurde in den Filialkirchen der Abtei, vor allem in der Clemenskirche, aber auch in der Münsterkirche. Übernahmen jedoch von Predigtstätten durch die evangelische Gemeinde gab es nicht, obwohl es Unterstützung vom Bürgermeister und vom Rat der Stadt werden gab. Evangelische Gottesdienste konnten oder mussten in dieser Zeit oft auch in einem Saal des Rathauses gefeiert werden. Und dann kamen noch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges hinzu. In dem unterstützten manche Kriegsparteien den Alten, aber andere eben auch den Neuen Glauben. Hugo Preutäus war Abt in Werden "1629 war Prutäus auf dem besten Wege", schreibt Hempel,"Protestantismus in Werden auszurotten". Und nur ein Jahr später, der Umschwung. Der Kurfürst von Brandenburg hatte sich die Vogteigewalt in Werden gesichert. "Nach weiterem Hin und Her dann waren 1634 wieder alle Kirchen außerhalb des Abteiinneren in evangelischen Händen. " vermeldet Hempel. Allerdings wusste man sich das evangelisch sein, jetzt mit den Reformierten teilen. 1629 waren niederländische Truppen in Werden stationiert gewesen. Reformierte gab es nunmehr nicht nur in Kettwig. 1634 kam es dann zu Zeugenvernehmungen, deren Protokolle noch in den Archiven erhalten sind. Bestätigt werden sollte, dass die lutherische Gemeinde bereits lange bestand, und zwar seit der Zeit Peter Ulners, also etwa seit 1550. Es ging darum, Besitzansprüche der lutherischen Gemeinde zu begründen. Auf die beiden Filialkirchen der Abtei, auf St. Lucius und St. Clemens und auf deren Einkünfte. Anspruchsgegner waren in dieser Sache weniger die Katholiken. Vielmehr ging es darum, der weiteren Ausbreitung des reformierten Glaubens entgegenzuwirken. Zu entscheiden hatte zu dieser Zeit die brandenburgische Regierung in Emmerich. Militärischen Einfluss in der Region hatten damals bereits vorwiegend lutherisch orientierte hessische Truppen. Die Gelegenheit war also günstig. Aber die Regierung in Emmerich habe für alles Belege verlangt, liest man bei Peter Wallmann. Er hat sich ausführlich mit den Zeugenvernehmungen auseinandergesetzt. Eine historische Aussagekraft haben die Zeugenaussagen aber nicht. Begründung folgt gleich. Nicht immer sahen das alle so. Hier ein Zitat aus dem Streit Hempels mit Dr. Jacobs Jacobs habe die Zeugen des Meineids beschuldigt, empörte Robert Hempel sich Und er fuhr fort:
"Robert Hempel"
00:24:26
Wie nennt man das, wenn jemand Verstorbene, welche sich nicht mehr verteidigen können, solcher Niederträchtigkeit beschuldigt?
Hans
00:24:37
Jeden Zweifel an den Zeugenaussagen wollte Hempel wohl als Sakrileg unterdrücken. Die Befragung im Jahre 1634 fand aber eindeutig zu dem beschriebenen Zweck statt. Es sollten keine fraglichen Umstände abgeklärt werden. Im Gegenteil, die ebenfalls protokollierten Fragen gaben die Antworten bereits vor. Alle Zeugen berichteten vom Hörensagen. Angesichts des zeitlichen Abstandes von 80 Jahren konnte das auch gar nicht anders sein. Das folgende Zitat ist, man muss es dazu sagen keine Zeugenaussage. Es ist als Frage im Protokoll der Zeugenvernehmungen notiert.
"Fragender"
00:25:27
Erstlich wahr und Zeugen bewusst, dass Herr Petrus Ulnerus, gewesener Pastor des Kirchspiels Neukirchen , die lutherische und Lehre Augsburger Konfession allhier zu Werden. in der Münster- und Kirchspielkirchen angefangen, anno 1550, introduziert. Auch zum Zweiten wahr, dass Herr Petrus Ulnerus wegen solchen seines Predigamtes die Pastorat Neukirchen, deren Zubehör und Intraden völlig und ohne Abbruch zehn Jahre gebraucht.
Hans
00:26:20
Na, was soll man da antworten? Der erste Zeuge, Johann Koehl, etwa 75 Jahre alt, gab zu Protokoll:
"Zeuge"
00:26:31
Dass er solches in seiner Jugend von seinen Eltern und anderen Leuten zu Herrn Petrum Ulnerum gekannt, oftmals sagen gehörte, dass er allhier zu Werden, die lutherische Lehre augsburgischer Konfession ungefähr im Jahre 1551 in der Kirchspielskirchen und Münsterkirchen zu predigen und zu lehren, angefangen hab.
Hans
00:27:00
Zur zweiten Frage erklärte er knapper, dieser Sachverhalt treffe, nach dem, was er von seinen Eltern und anderen gehört habe, zu. Sowohl die Fragen als auch die Antworten enthalten Angaben, die unzweifelhaft falsch sind und die auch schon damals bei Kenntnis des Lebenslaufs von Peter Ullner als falsch hätten erkannt werden können. Aus den tatsächlich vier Jahren seiner Amtszeit in der Luciuskirche wurden in der Zeugenaussage elf. Auch die Stationen seines weiteren beruflichen Weges wurden nicht in der korrekten Abfolge angegeben. Eigentlich ist es an dieser Stelle schon keine Frage mehr. Aber ob Peter Ullner in Werden gemäß der lutherischen Lehre augsburgischer Konfession gepredigt hat, darum geht es gleich noch einmal. Die Antwort wird eindeutig "Nein. " lauten. Erstmal stellt sich aber die Frage, wie waren die Daten über die Lebensgeschichte eines Mannes, der in jungen Jahren seine berufliche Laufbahn in Werden startete, überhaupt 80 Jahre später in Werden noch verfügbar? Der folgende kurze Abschnitt enthält einige Spekulationen. Ich markiere sie aber nicht jedes Mal einzeln als solche, um den Erzählfluss zu erhalten. Von den Zeugen stammen die Daten über Peter Ullner offensichtlich nicht, da sie ihnen in den Mund gelegt werden mussten. Hät es Zeugen mit lebendigeren eigenen Erinnerungen an Peter Ullner und sein Wirken gegeben, hätte man doch sicher die aussagen lassen. Mir scheint, es gab bei den einfachen Leuten in der Werdener evangelischen Gemeinde 1634 keine Erinnerung mehr an Peter Ullner. Mal schauen, ob die Interpretation des Liedes »Eine feste Burg ist unser Gott« durch die United States Army Band von 2018 euch im Gedächtnis bleiben . Wie kamen nun aber einige führende Gemeindeglieder in Werden, nämlich jene, die die Befragung initiierten und gestalteten, 1634 überhaupt auf Peter Ulner und an seine Lebensdaten? Hier tritt der Maler Bartholomäus Bruyn auf,und vor allem zwei seiner Söhne betreten die Bühne. Bartholomäus Bruyn, der Ältere, hieß sich als Maler 1517, in den zwei folgenden Jahren und noch einmal um 1541 in Werden auf. Er restaurierte unter anderem den heute nicht mehr erhaltenen Hochaltar der Abteikirche. Er heiratete zwischen 1515 und 1520 Agnes Joest, eine Tochter seines Lehrers Jan Joest. Das Ehepaar hatte fünf Kinder. An deren Sohn Bartholomäus den Jüngeren, der in Köln lebte, wandte sich Peter Ulner, als er 1560 ein Porträt von sich malen lassen wollte oder musste. Das war knappe zehn Jahre nach seiner Zeit als Pastor der Luciuskirche in Werden. Peter Ulner war mittlerweile Stellvertreter des Abts im Kloster Berge bei Magdeburg. Im folgenden Jahr wurde er Abt. Als solchen bezeichnete ihn eine auf der Innenseite des Porträts angebrachte Inschrift bereits, obwohl Heinrich Zirow, sein Vorgänger als Abt, erst 1561 verstarb. 1565 dann, mit einer lutherischen Predigt am 25. August, erklärte Abt Ulner mit seinem Konvent den Übertritt zur Reformation Bereits in dem Porträt von 1560 kann man aber eine Hinwendung zum Protestantismus erkennen. Das Porträt ist Teil eines Diptychons. Als Diptychon werden zweiteilige Gemälde bezeichnet, die in der Regel mit Scharnieren zum Aufklappen verbunden sind. Auf dem einen Bildrand des Diptychons ist ein Bibelzitat zu lesen. Jesaja 43, die Verse 24 und 25. Und zwar in der Übersetzung Luthers "Ich aber tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht". Der Text, der die Tafel auf der Ulner abgebildet ist, umrandet, endet mit »Sein Blut allein macht mich gerecht«, für Hörer*Innen, die wie ich nicht ganz so bewandert sind in Themen des christlichen Glaubens. Am 31. Oktober 1517 schickte Luther seine 95 Thesen als Beilagen zu einem Brief an den Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg. Sie dienten der Klärung der Frage nach der Kraft des Ablasses. Luther sprach sich darin gegen den Missbrauch des Ablasses durch die Kirche und besonders gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen aus. Gegen Geld konnte man Ablass erwerben, also den Erlass zeitlicher Sündenstrafen. Und dazu gehörte nach damaliger Vorstellung auch die Verkürzung der Zeit, die eine Seele im Fegefeuer verbringen musste. Erlösung der Sünder, also der Menschen, erfolgt jedoch gemäß der das Porträt umrandenden Schrift allein aus der Gnade Gottes. Das ist der evangelisch-lutherische Inhalt dieser Inschrift. Ein weniger aussagekräftiges, aber doch weiteres Indiz dafür, dass die Abwendung vom alten Glauben 1560 fortgeschritten ist. Peter Ulner ließ sich in der Kleidung eines bürgerlichen Gelehrten und nicht im Mönchshabit porträtieren. Bartholomäus Bruyn wird dieses Bild nach Gesprächen über die Vorstellungen seines Auftraggebers erstellt haben. Der Maler war also über die damals aktuellen religiösen Auffassungen von Peter Ulner informiert. Er wird auch Details über dessen Berufsweg nach der Zeit in Werden erfahren haben. Warum das in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt? Bartholomäus Bruyn, der Jüngere, hatte Kontakte nach Werden. Und ich versuche darzustellen, wie Informationen über den weiteren Lebenslauf Peter Ulners nach Werden zurückgelangt sind. Bartholomäus Bruyn, der Jüngere, kannte Werden aus Zeit, als er dort mit seinem Vater gearbeitet hatte. Seine Frau Agnes Padberg, mit der er sich 1550 vermählte, stammte aus Werden. Vor allem aber hatte er über seinen jüngeren Bruder Matthias Kontakt nach Werden. Matthias war dort seit 1551 unter dem Klosternamen Paulus als Rentmeister des Klosters tätig. Also für die wirtschaftlichen Belange zuständig. Seit 1561 war er Pfarrer der Luziuskirche. Erinnert euch an die zweifelhaften Zeugenaussagen von 1634. Die Amtszeit Peter Ulners als Pfarrer eben dieser Luciuskirche wurde in Fragen und Antworten verlängert von 4 auf 11 Jahre. Also bis zum Amtsantritt Paul Bruyns. Der war als Pfarrer der Luciuskirche zwar nicht direkter Nachfolger Peter Ulners, ihre Wege haben sich aber in Werden gekreuzt. Denn Ulner war von 1542 bis 1554 unter dem Klosternamen Ludgerus von Gladbach in Werden tätig. Paul Bruyn wirkte von 1551 bis zu seinem Tod 1597 in Werden. Als Pfarrer der Luciuskirche allerdings mit einer Unterbrechung. 1568 wurde er nämlich für zwei Jahre seines Amtes enthoben. Damals war er Stellvertreter des Werbender Abtes Hermann von Holten. Krankheitsbedingt war ein Ende von dessen Amtszeit absehbar. Paul Bruyn hatte als Stellvertreter gute Aussichten. Er soll auch im Konvent Befürworter gehabt haben. Trotz großer Schuldenberge, die er als Rentmeister angehäuft haben soll. Oder vielleicht gerade deswegen. Er hätte das Geld ja in den Augen der Wähler, also seiner Mitmönche, durchaus auch sinnvoll ausgegeben haben können. Der Klostervogt Wilhelm V., Herzog von Kleve, unterstützte jedoch als nächsten Abt Heinrich Duden. Der galt als deutlich konservativer. Und der Klostervogt war vor allem daran interessiert, dass Ruhe einkehrte. Ruhe. Dieses Anliegen hat wohl auch Wilhelm V., den Vater von Johann III., angetrieben, als er 1532 die Klevische Kirchenordnung für die Herzogtümer Kleve- Jülich-Berg erließ. Die Klevischen Herzöge waren zu jener Zeit auch die weltlichen Herrscher, also die Klostervögte in Werden. Die Kirchenordnung galt also auch dort "Diese Kirchenordnung war eine Synthese aus überkommenen Formen der alten Kirche und deren Neuinterpretation im Sinne der Reformation wie auch des erasmischen Humanismus." Ein so schlauer Satz, das kann nur ein wörtliches Zitat von jemand anders sein. Es stammt aus Reinhild Stephan Maasers Text "Vom Werdener Mönch zum evangelischen Abt in Magdeburg". Erasmischer Humanismus bezieht sich auf Erasmus von Rotterdam. Er war ein niederländischer Universalgelehrter, der modern dachte und sich auch mit den Gedanken Luthers auseinandersetzte, der den katholischen Glauben aber nie aufgab. Ihr erinnert euch, als Gründungsmoment der evangelischen Gemeinde Werden wird bis heute eine Feier des Abendmahls sub utraque spezies- unter beider Gestalt angesehen. Diese Art, das Abendmahl zu feiern, wurde in der Klevischen Kirchenordnung erlaubt, wenn das dem Wunsch der Gemeindeglieder entsprach. Das wird jetzt auch im Zusammenhang mit Paul Bruyn eine Rolle spielen, deshalb dieser Ausflug, der noch nicht ganz zu Ende ist. Im Zusammenhang mit dem Abendmahl unter beider Gestalt fällt auch oft der Begriff Laienkelch. Das Konzil von Konstanz, 1415, stellte den Laienkelch sogar unter Strafe. Das Abendmahl galt als Opferhandlung, darum hieß es auch Messopfer. Man glaubte, dass Opfer Christi auf Golgatha auf unblutige Weise wiederholen und Gott darbringen zu müssen. Zitiere ich das evangelische Sonntagsblatt. Und weiteres Fachwissen ebenfalls von dort. Martin Luther betonte gegen den Kelchentzug die gebietenden Einsetzungsworte Jesu "Trinket alle daraus". In Matthäus 26, Vers 27 Andererseits stand für Luther die Kelchfrage nicht im Vordergrund. Für ihn war der Reformkatholizismus in den niederrheinischen Herzogtümern, der am "papistisch wesen" festhalten wollte, ei gefährlicher Gegner der Reformation, liest man bei Reinhild Stephan Maaser. Und noch ein Zitat von ihr. "Der Laienkelch ist die auffälligste Ausdrucksform des sogenannten niederrheinischen Reformkatholizismus. Einer eng an Erasmus orientierten, auf Einigkeit der alten Kirche bedachten Reformbewegung im Umkreis des Düsseldorfer Hofes, der weite Teile des Landes bis hin zum konservativen Kölner Erdbischof Adolf von Schauenburg erfasst hatte. Die klevische Kirchenordnung von 1532 erlaubte jedenfalls die Feier des Abendmahles unter beider Gestalt. Diese Kirchenordnung galt, wie gesagt, auch in Werden. Der Laienkelch war damit reformerisch, aber katholisch und schon gar nicht zwingend ein Zeichen lutherischen Glaubens. Jetzt aber zurück zum Klostervogt Wilhelm V., dem Herzog von Kleve und zu seiner Unterstützung für Heinrich Duden als nächstem Abt des Wertener Klosters. Am 29. Oktober 1568 wurde Paulus Bruyn, dem Pfarrer der Luciuskirche und Friedrich von Kamen, der die Clemenskirche betreute, von Herzog Wilhelm V. auf das Strengste untersagt, nicht genehmigte Neuerungen im Gottesdienst einzuführen. Die beiden Werdener Mönche verfassten ein Rechtfertigungsschreiben. Darin stellten sie den gesunden Zustand der Gemeinden dar und versicherten, keine "verbottene, widderteufische, sechtische sakramentiersche, auffrurische oder einige unbekannte verborgene, winkelpredische Lehr" gebraucht zu haben. Sie ließen, aber nicht unerwähnt, dass die 3000 Glieder der beiden Gemeinden das Abendmahl nach der Lehre Jesu in beiderlei Gestalt dargereicht bekommen hätten. Wie bereits gesagt, das war durch die klevische Kirchenordnung auch rechtschaffenden Katholiken erlaubt. Das Rechtfertigungsschreiben blieb erfolglos. Die beiden Pfarrer wurden ihrer Ämter enthoben. Paulus Bruyn wurde für zwei Jahre in der Burg Blankenstein festgesetzt. Wenn Wilhelm V. Herzog von Kleve damit die Kandidatur Heinrich Dudens zum Nachfolger Hermann von Holtens, der 1572 verstarb, unters wollte, dann war er erfolgreich. 1573 wurden Paulus Bruyn und Friedrich von Kamen zurückberufen und etwas später wieder in ihre Priesterämter eingesetzt. Zunächst mussten sie aber im Beisein der Klevischen Räte und einer Visitationsdelegation geloben, in Zukunft nur die katholische Lehre zu predigen und Heinrich Duden als Abt des Wertender Klosters anzuerkennen. Konrad Kloedt ist der Abt, der auf Heinrich Duden folgte. Sein Nachfolger Preutäus fand schon Erwähnung in einem Zitat Robert Hempels. Der meinte Preutäus habe den evangelischen Glauben in Werden fast ausgerottet. Konrad Kloedt, sein Vorgänger, berichtete, dass die Zurückhaltung Paulus Bruyns nur zehn Jahre bis 1583 angehalten habe. Allerdings gibt es keine Quellen, die Übertretungen des TReuegelöbnisses zum katholischen Glauben nach 1583 belegen. Das kann natürlich einen ganz einfachen Grund gehabt haben. Paulus Bruyn war Zeit seines Lebens überzeugter Katholik. Seine Rechtfertigung aus dem Jahr 1568 war kein Kuschen vor weltlicher Macht, sondern die Beschreibung des eigenen Glaubens und des aus diesem begründeten Tuns. Irgendwie erscheint mir Paulus Bruyn in den Quellen oft als jemand, der eigentlich evangelisch dachte und der sich letztendlich vielleicht nur deshalb nicht getraut hat, das auch zu zeigen und zu leben, weilWeil ein offenes Bekenntnis zu seinen Überzeugungen bedeutet hätte, Beruf und Wohnung aufzugeben und ohne jede Unterstützung dazustehen. Mit weit über 40 Jahren, wäre nachvollziehbar! Peter Ulner, wenige Jahre zuvor und auch Martin Luther agierten in einem schützenden Umfeld. , als sie sich vom katholischen Glauben abwandten. Beide haben dem katholischen Glauben aber auch lange angehangen. Die Hinwendung zu etwas anderem griff damals deutlich tiefer, als sie das heute in der Regel wohl tut. Ein Prozess, ein Ringen, bei dem man hinter sich lassen musste, was seit vielen Jahrhunderten das Leben und die Überzeugungen aller Vorfahren und aller Vordenker bestimmt hatte. Und dass man trotz einer aufrichtigen Auseinandersetzung mit den Ansichten der Reformation auch als denkfähiger Mensch Katholik bleiben konnte, zeigt das Beispiel von Erasmus von Rotterdam. In dieser Podcast-Episode jedenfalls bleibt Paulus Bruyn bis an sein Lebensende im Jahre 1597 ein aufrechter Katholik. Nur als solcher und nicht als Halbaufrichtiger, der nicht wusste, was er denken soll und darf, taugte er als Gesprächspartner für Franz Hormberg. Der ist in jener Zeit Mönchen in Werden und seit 1576 Pastor der Clemenskirche. Von ihm war schon die Rede. Zur Erinnerung, er hat einige Jahre später die Weigerung, Messgewänder anzulegen, damit begründet, dass er nicht friert. Als Werdener Mönche und als Pastoren der Filialkirchen, Paulus Bruyn war ja seit 1573 wieder in der Luciuskirche tätig, müssen die beiden sich gekannt haben. Wallmann schreibt unter Berufung auf ältere Quellen, sie seien Freunde gewesen. Paulus Bruyn werden von Peter Wallmann und von Reinhild Stephan Maaser auch für diese Zeit anhaltende Kontakte zu Peter Ulner nachgesagt. Über dessen weiteren Lebenslauf und über seine Hinwendung zum lutherischen Glauben, hätte Paulus Bruyn aber auch über seinen Bruder, den eingangs dieses langen Exkurses erwähnten Maler Bartholomäus Bruyn, informiert gewesen sein können. Wenn ich mir jetzt Gespräche der Mönche, vielleicht sogar Freunde vorstelle, Paulus Bruyn, Franz Homberg, vielleicht noch andere, man sprach über notwendige Veränderungen. Paulus Bruyn erzählte von ihrem Vorgänger, Peter Ulner, den er ja persönlich erlebt hatte. Was hätten die beiden Mönche, vielleicht noch andere Rringende, gehabt von Geschichten über einen Peter Ulner, der aus dem Nichts plötzlich im Schatten der mächtigen Abtei den lutherischen Glauben Augsburger Konfession predigt, der auf einmal eine Gemeinde in Werden hatte, ebenfalls aus dem Nichts. Und dieser Peter Ulner bekam noch nicht mal einen Rüffel und machte sich dann ein paar Jahre später unbehelligt auf zur nächsten Karrierestation. »Toll! Echt motivierender Gesprächsbeitrag, Paulus! Den kennst du also! Tja, schön für dich! « Stellt euch hingegen Paulus, Franz und einige andere Mönche vor, in ringendem Nachdenken Sie sprechen über jemanden, der wie sie reformerischen Katholizismus betrieben hat. Wenige Jahre zuvor, der jetzt nach langem Ringen evangelischer Abt bei Magdeburg geworden war, der evangelische Priester ausbildete und vor kurzem geheiratet hatte, das könnte das Einfallstor von Informationen über Peter Ulner in die Überlieferung der evangelischen Gemeinde Werden gewesen sein. Denn Franz Homberg radikalisierte sich in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts zunehmend. Er trat zum lutherischen Glauben über. Es kam zum Bruch zwischen der Abtei und der Stadt Werden und zur Gründung einer evangelischen Gemeinde Einfallstor: Franz Homberg könnte Notizen zu den Gesprächen mit Paulus Bruyn und anderen gemacht haben. Vielleicht sogar in der Absicht, die Entwicklung hin zur evangelischen Gemeinde zu verschriftlichen. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dass er die Rolle Peter Ulners dabei als die eines Gemeindegründers aus dem Nichts beschrieben hat. Er kannte das mühsame Ringen um den rechten Glauben. Und warum eigentlich sollten Paulus Bruyn und Franz Homberg, sollten andere Mönche und Gläubige mühsam ringen, wenn Peter Ulner die evangelische Gemeinde schon längst gegründet hatte? Die Tatsache, dass er Peter Ulners Lebensdaten nur vom Hörensagen kannte, sie vielleicht auch erst einige Zeit nach den Gesprächen niederschrieb, könnte zu Fehlern geführt und damit die Ursache dafür gewesen sein, dass bei der Erstellung der Fragen für die Zeugenvernehmungen im Jahre 1634 einige Karrierestationen des Peter Ulner falsch datiert wurden. Wenn Verschriftlichungen dieser Gespräche vorgelegen hätten, hätten sie den Initiatoren der Zeugenvernehmung Anstöße geben können. Die junge evangelische Gemeinde zu Zeiten Franz Hombergs hatte wahrscheinlich noch kein richtiges Archiv. Die Orte, an denen sie das, was sie doch sichern wollte, aufbewahrte, wechselten in den ersten Jahren. Franz Homberg wurde vertrieben, kam wieder, wurde dann 1607 von einem herzoglichen Ausweisungsbefehl endgültig verjagt und wich nach Repelen in der Nähe von Moers aus. Irgendwie hätten aber Verschriftlichungen der Gespräche mit Paulus Bruyn die Zeit bis zur Vorbereitung der Zeugenvernehmungen überdauert haben können. Verschriftlichungen, in denen, wie gesagt, n alle Daten über die Lebensstationen Peter Ullners gestimmt haben müssen. Verschriftlichungen die als Grundlage für die Formulierung der Fragen gedient haben könnten, die wir dann in den Vernehmungen von 1634 wiederfinden. Der Fragen, die den Zeugen die Antworten vorgaben, nur für sich genommen. Also, so wie ich sie mir vorstelle, haben die Notizen nicht das Gewicht, eine Übernahme von Filalkirchen durch die evangelische Gemeinde Werden, zu begründen. Es muss etwas zurechtgebogen und Entscheidendes muss hinzugefügt worden sein. Wir haben einen Peter Ulner, der später einem evangelischen Kloster als Abt vorstand. Wir haben einen weiteren katholischen Pastor, der nachweislich Ärger wegen der Feier des Abendmahls unter beider Gestalt bekam. Und wenn die beiden jetzt eins werden, wenn also der erste 1550 aus dem Nichts heraus anfangen würde, die lutherische Lehre Augsburger Konfession zu predigen, dann wäre das eine Geschichte geeignet, eine Predigtstättenübernahme zu begründen. Es wurde keine Predigtstätte übernommen. Ich habe keine Quellen gefunden, die etwas über den Ausgang des Verfahrens berichten, in dem die Zeugenvernehmungen eine Rolle hätten spielen sollen. Die Sache ist wohl im Sande verlaufen. Die Wirren der Zeit halt. Aber mir kommt es so vor, als ob damals bewusst Geschichte verfälscht worden wäre, um Ansprüche auf eine Kirche und ihre Einnahmen zu begründen. Hat niemandem geschadet, könnte man sagen. Und es war ja auch niemandes Absicht, mit der verfälschten Geschichte jemandem Schaden zuzufügen. Ich denke aber, die Verfälschung wirft einen Schatten auf jede Gedenkfeier. Selbst wenn die Entstehungsgeschichte Legende genannt wird. Etwas, das einer historisch-kritischen Betrachtung nicht standhält. Es werden vielleicht Hintertürchen offen gehalten für diejenigen, die die Legende als Geschichte glauben wollen. Und auf Gedenkfeiern will niemand Geschichten mit Ecken und Kanten. Die Reden sollen nicht zu lang. Die Botschaft muss klar und freundlich und am besten an eine Person gebunden sein. Persönlich mag es aber nicht, wie mit dieser als Überlieferung bezeichneten Entstehungsgeschichte der evangelischen Gemeinde Werden, dass Ringen von Paulus Bruyn, Franz Homberg, Peter Ulner und vielen anderen Gemeindemitgliedern, katholischen wie evangelischen, wegpoliert wird. Neuerungen im Denken und Glauben. Gerade so einschneidende, wie sie von den Menschen zu Zeiten der Reformation abzuwägen, zu vollziehen oder abzulehnen waren, sind lange persönliche Prozesse. Und solche Prozesse eignen sich nicht für klar zu terminierende Gedenkfeiern. Eine offizielle Gemeindegründung hingegen hat einen eindeutigen Termin. Oder von mir aus kann man sich auch auf den Tag beziehen, an dem Franz Homberg sein erstes evangelisches Gehalt bekommen hat. An sowas kann man Jahrestage anknüpfen. Nörgelt jemand, der vor zehn Jahren zum letzten Mal in der Kirche war. Es war übrigens tatsächlich ein Besuch in der evangelischen Kirche Werden. Also keine Sorge, ich werde das Transkript dieses Podcasts nicht in Thesenform an die Kirchentür nageln. Etwas übers Knie gebrochen, aber auch das möglicherweise eine Legende. Für dem berühmten Thesenanschlag an die Tür der Wittenberger Schlosskirche durch Martin Luther gibt es keinen gesicherten Nachweis. Die Historizität des Anschlags ist tatsächlich umstritten. Jetzt aber mal wieder zurück zur Entstehungsgeschichte der evangelischen Gemeinde Werden. Vielleicht ist euch aufgefallen, dass das Datum, nämlich der Michaelistag 1550, bisher überhaupt keine Erwähnung gefunden hat, auch nicht in den Zeugenvernehmungen. 1650, am 29. September, also am Michaelistag, wurde die erste selbst erbaute Kirche der evangelischen Gemeinde Werden in einem Festgottesdienst eingeweiht. Sie erhielt den Namen Michaeliskirche. Noch einmal Lied Nummer 362 aus dem Evangelischen Gesangbuch. "Eine feste Burg ist unser Gott". Diesmal aber zum Mitsingen. Die Michaeliskirche entstand am Werdener Markt, also zu Füßen des wuchtigen Turms der katholischen St. Ludgeruskirche. Zum einen dürfte sich der am 24. Oktober 1648 geschlossene Westfälische Frieden begünstigend auf die Bauerlaubnis ausgewirkt haben. Auch wenn dieser Frieden vom Papst nicht anerkannt wurde, er beendete den Dreißigjährigen Krieg und erschuf eine reichsrechtliche Grundlage für das Nebeneinander von Katholiken, Lutheranern und Reformierten. Besitzstände sollten so bleiben oder wiederhergestellt werden, wie sie am 1. Januar 1624 gewesen waren. Nicht, dass die Zeugenvernehmungen von 1634 jetzt noch eine Rolle gespielt hätten. Nirgendwo wird erwähnt, dass sich jemand, sprich die evangelische Gemeinde, bei Versuchen, Besitzstände einzufordern, auf diese berufen hätte. Robert Hempel benennt in seiner Geschichte der evangelischen Gemeinde zu Werden an der Ruhr einen anderen Grund dafür, dass der Kirchenbau 1650 möglich wurde. Der damals regierende Abt Heinrich Dücker sei ein versöhnlich gesonnener und entgegenkommender Mann gewesen. Die Einschränkung dieser Einschätzung, die dann folgt, verdeutlicht allerdings vor allem die große Macht, welche die Reichsabtei in Werden nach wie vor besaß oder nach kurzen Unterbrechungen jetzt wieder besaß. Am 3. August 1650 hatten Bürgermeister, Rat und Gilden der Stadt Werden den Abt gebeten, er möge den Kirchbau ferner nicht behindern, schreibt Hempel. Wie gesagt, die Kirchweihe war am 29. September, also knappe zwei Monate später. Hempel berichtet von demütigenden Bedingungen, die erfüllt werden mussten. Die Formulierung stammt von ihm. Das Gebäude durfte keinen Turm und keine Kirchenglocken haben. Es sollte in Konformität mit anderen Privathäusern mit Pfannen bedeckt werden. Wie ein Wohnhaus und eben nicht wie eine Kirche sollte es nach dem Willen des entgegenkommenden Abtes aussehen. Dieser Forderung nach Unauffälligkeit kam man nach. In der Ausgabe von Hempels Geschichte von 1925 ist eine von Albert Mitweg erstellte Skizze des Gebäudes zu sehen. Das Gebäude bot etwa 350 Gläubigen Platz und das für eine lange Zeit. Es diente als Predigtstätte von 1650 bis 1832, also bis weit hinein in die Amtszeit des evangelischen Pfarrers, der die eingangs dieser Folge thematisierte Inschrift auf dem Fuß eines altehrwürdigen Abendmahlskelches anbringen ließ. Die Inschrift, die als Tag der Gemeindegründung den Michaelistag 1550 benannte. Eingraviert in der Amtszeit Friedrich Rommels, also irgendwann zwischen 1811 und 1846. Das war die erste schriftliche Erwähnung dieses Datums. Zuvor ist keine Quelle belegt, die den Michaelistag mit der Entstehungsgeschichte der Gemeinde in Verbindung bringt.
"Fragender"
01:01:33
angefangen, anno 1550,
Hans
01:01:38
Auch in den hier zitierten Zeugenvernehmungen findet dieses Datum keine Erwähnung. Da ist nur vage von etwa "anno 1551" die Rede.
"Zeuge"
01:01:50
ungefähr im Jahre 1551
Hans
01:01:55
Und jetzt wurde also am 29. September 1650 die erste selbsterbaute Kirche geweiht und sie erhielt den Namen Michaeliskirche. Peter Wallmann vermutet unter Berufung auf Peter Jacobs, Es ist mehr als wahrscheinlich, dass das seitdem begangene Kircheweife ist, mit dem von den Zeugenaussagen des Jahres 1634 unter anderem genannten Stiftungsjahr 1550 im Laufe der Zeit identifiziert worden ist. Spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts war diese Verschmelzung zum allseits akzeptierten Faktum geworden. So Kurzer Zwischenstopp im Hier und Jetzt. 2026 - 19. Juli. Der Peter-Ulner-Platz wird in Essen-Werden eingeweiht. Auch Karl-Heinz Lach, Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins Werden, sprach bei dieser Feier. Auch wenn ich dabei war. Ich zitiere aus den Werdener Nachrichten vom 24. Juli 26 "Am Michaelistag, dem 29. September 1550, feierte Ulner in der Luciuskirche das Abendmahl in beiderlei Gestalt. ". Ein Satz, der, wie ich jetzt weiß, direkt aus dem Reich der Fabel stammt. Als ich ihn hörte, hatte ich die Festschrift zur Einweihung bereits in der Hand. Darin die Liste mit der Literatur, auf die ich mich hier beziehe. Alles, was man für eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit der Entstehungslegende braucht. In keiner der Ansprachen war an diesem Tag Raum für auch nur eine leise Andeutung, dass die mit Peter-Ulner verknüpfte Entstehungsgeschichte der evangelischen Gemeinde Werden in keinem Punkt der historischen Wahrheit entspricht. Ich zitiere aus der Werdener Zeitung, obwohl ich mich auch selbst erinnere. Gerade die folgende Passage in der Ansprache von Karl-Heinz Lach schien mir damals so schlüssig. Jedenfalls war sie sehr einprägsam "Auch der Zeitpunkt habe Symbolkraft gehabt, ". wird Lach in der Werdener Zeitung zitiert. Und dann habe er ausgeführt: Der Michaelistag markierte im Mittelalter einen Übergang. Das Ende der Erntezeit. Den Beginn eines neuen Jahreskreises. Die Erneuerung von Verträgen und fälligen Zahlungen. Als Festtag des Erzengels Michael stand er zugleich für Mut, Klarhei und Standhaftigkeit. Dass Ulner ausgerechnet diesen Tag wählte, sei daher kaum ein Zufall gewesen. ". Peter Ulner hatte hier nichts ausgerechnet und keinen Tag gewählt. Das wissen wir, seit Peter Jacobs es 1893 klargestellt hat. Peter Jacobs, vom empörten Robert Hempel als Strafanstaltspfarrer tituliert, bekommt in diesem Punkt Zustimmung von der heutigen historischen Forschung. Er hat klargestellt, dass Peter Ulner die evangelische Gemeinde Werden nicht gegründet hat. Und Dr. Peter Jacobs war Mitbegründer und erster Vorsitzender des historischen Vereins für das Gebiet des ehemaligen Stiftes Werden. Der Verein wurde am 3. Januar 1890 gegründet. 2013 schloss dieser historische Verein sich mit dem Verein der Kulturgemeinde Essen-Werden-Heidhausen zum Geschichts- und Kulturverein Werden zusammen. Und Karl-Heinz Lach, heute Vorsitzender dieses Vereins, also gewissermaßen ein Nachfolger von Dr. Peter Jacobs, hat mich bei der Einweihung des Platzes für kurze Zeit von der Geschichte überzeugen können, die sich um Peter Ulner und die evangelische Gemeinde Werden rankt. Überzeugend finde ich hingegen ein Argument, das Dr. Cornelia Alisch, die Vorsitzende des Presbyteriums, angeführt hat für die Benennung des Platzes vor der Luciuskirche nach Peter Ulner. Sie, so schreibt die Werdener Zeitung, "hob auch die ökumenische Dimension hervor. Der Platz könne als Brücke verstanden werden, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Konfessionen und vielleicht auch als Hoffnungszeichen für die Zukunft. ". Diese Brückenfunktion kann der Peter-Ulner-Platz meines Erachtens aber nur erfüllen, wenn ein unverfälschtes Bild der Geschichte der evangelischen Gemeinde Werden und vom Leben und Wirken Peter Ulners mit ihm verbunden wird. Ein Bild, das Raum lässt für demütigende Bedingungen, für Machtausübung, für Lügen und Übernahmeversuche, für Auseinandersetzungen, für das ringende Bemühen der Gläubigen um den rechten Glauben, für Standhaftigkeit ebenso wie für die Bereitschaft, sich zu verändern. So könnte Ökumene leuchten als etwas eigentlich unmöglich Erscheinendes, das heute trotzdem geschieht. So, und welche Lebensgeschichte müssten wir dann auf der Infotafel am Peter-Ulner-Platz lesen können? Wie wär's dem Herrn Podcaster denn genehm? Kurzfassung in einer Überschrift. "Vom Werdender Mönch zum evangelischen Abt in Magdeburg" heißt ein Beitrag von Reinhild Stephan Maaser über das Leben Peter Ulners im Katalog einer Ausstellung, die 1999 im Ruhrland Museum zu sehen war "Das Jahrtausend der Mönche. Klosterwelt Werden 799 bis 1803" hieß die. Ich finde diese Überschrift fasst es schon mal ganz gut zusammen. Geboren wurde Peter Ulner am 18. Oktober 1523. Sein Vater wurde später Bürgermeister von Gladbach, das heute Mönchengladbach heißt. Er konnte seinem Sohn eine gute Ausbildung bieten. Peter Ulner besuchte nach Abschluss der Elementarschule die berühmte Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben in Deventer. Dort hatte einige Zeit zuvor auch Erasmus von Rotterdam gelernt Ulner setzte seine Ausbildung bei den Fraterherren in `s-Hertogenbosch fort. Man kann davon ausgehen, dass Peter Ulner eine umfassende humanistische Ausbildung erhalten hat. Lateinschulen wie diese bereiteten ihre Schüler auf eine geistliche Laufbahn oder auf ein Studium vor. Als er 19 Jahre alt war, empfahl sein Vater ihn, dem Werdener Abt Hermann von Holten, als Novize. 1542 trat Peter Ulner in den Benediktinerorden ein. Sein Klostername lautete Ludgerus von Gladbach. Der Werdemer Abt unterstützte seinen Wissensdrang und ermöglichte ihm während seiner Professenzzeit das Studium von Theologie und Philosophie in Köln. In den lückenhaften Matrikeln der Kölner Universität ist er zwar nicht auffindbar, Siegfried Sack erwähnt diese Studienzeit aber in seiner Leichenpredigt aus, dem Jahre 1595. Siegfried Sack war der erste evangelische Domprediger in Magdeburg. Und Leichenpredigten waren gerade in evangelischen Kreisen zwischen dem 16. dem 18. Jahrhundert nicht nur üblich, sie wurden auch gedruckt, soll dem Andenken der Verstorbenen dienen und liefern uns heute häufig exakte Lebensdaten über die Verstorbenen. Peter Ulner betreffend ist die Leichenpredigt die ergiebigste Quelle. Erwähnt wird dort die Studienzeit in Köln. Keine Rede ist hingegen davon, dass er auch in Wittenberg studiert haben soll, wie etwa Hans-Joachim Massner oder auch die Infotafel am Peter-Ulner-Platz behaupten. Es ist nicht vorstellbar, dass der evangelische Domprediger, der den verstorbenen evangelischen Abt Peter Ulner kannte, der unter anderem auch mehr als 20 Jahre zuvor dessen Hochzeitspredigt gehalten hatte, es ist nicht vorstellbar, dass dieser Mann in der Leichenpredigt eine Station wie das Studium in Wittenberg in der Beschreibung des Lebens des Verstorbenen auslässt Massner stellt sogar als Möglichkeit in den Raum, Ulner hätte Luther persönlich kennen können. Und ein solcher Moment findet dann in der Leichenpredigt eines evangelischen Dompredigers für einen evangelischen Klosterabt keine Erwähnung. Das scheint mir kaum vorstellbar. Peter Ulner wurde also während seiner Professenzeit, so kann man in der Leichenpredigt lesen, "auffs Klosters unkosten gen Cöllen geschickt, dass er da selbst seine Studia continuieren" sollte Massner versuchte bereits den jungen Peter Ulner zu evangelisieren. Mit drei großen Bewegungen des 16. Jahrhunderts könne man ihn in Verbindung bringen. Über die Wittenberger Reformation, eine dieser drei großen Bewegungen, hat er sich also ganz sicher nicht vor Ort in Wittenberg, wahrscheinlich aber doch durch Lektüre und Gespräche mit Kölner Mitstudenten etwa informieren können. 1520 im Dezember hatte Luther die Bannbulle verbrannt. 1521 hatte er sich auf dem Reichstag zu Worms geweigert zu widerrufen. Für den Augsburger Reichstag 1530 hatten Melanchthon und andere die Lehre und Praxis der Wittenberger Reformation zusammenfassend dargestellt. Seitdem war von der Augsburger Konfession die Rede. Der Bruch zwischen katholischer Kirche und Lutheranern war mittlerweile unumkehrbar. Aber in einem Ort wie Werden, mit einer einflussreichen Reichsabtei, gab es noch keine ernsthafte, mit anderen lebbare Wahlmöglichkeit. Sich der Augsburger Konfession zuzuwenden, hätte für Peter Ullner bestenfalls bedeutet, allein dazustehen, ohne Geld, ohne Wohnung. Es gab in Werden keinerlei Strukturen oder auch nur vage Anreize, die einen studierten, jungen Mann mit beruflicher Perspektive, ja mit Karriereoptionen darüber hätten nachdenken lassen können, einen Übertritt zu dieser Augsburger Konfession in Erwägung zu ziehen. Die anderen beiden großen Bewegungen, die Massner auflistet, mit denen kam in dieser Region jeder studierte Mensch in Berührung. Geboren in Mönchengladbach, M in Werden, im Einflussbereich der Klevischen Kirchenordnung, Dazu das Studium in Köln, Herkunft und Ausbildung hätten es wohl unmöglich gemacht, dass Ulner sich als intelligenter, gläubiger Mensch nicht mit dem Reformkatholizismus auseinandersetzte. Das aber bedeutete eben gerade nicht zwingend, dass man sich auf einen Übertritt zur neuen Konfession vorbereitete. Selbst der als konservativ geltende Kölner Erzbischof Adolf von Schaumburg praktizierte etwa das Abendmahl in beider Gestalt. Die Reformen sollten ja der Erneuerung und der Stärkung des alten Glaubens dienen. Zuletzt führt Massner noch den Humanismus an, dem aber als studierender Mensch jener Jahre aus dem Weg zu gehen, war nicht möglich. Auf der anderen Seite, wie bereits angeführt, selbst der Fürst der Humanisten, so der Wikipedia-Ehrentitel des Erasmus von Rotterdam, blieb Zeit seines Lebens dem katholischen Glauben treu. Das war also damals auch für denkfähige, moderne Christenmenschen eine Option. Nach seiner Rückkehr aus Köln arbeitete Ulner unter anderem als Spindarius im Kloster Werden. Als solcher war er für die Nahrungs- und Weinvorräte zuständig. Irgendwann zwischen 1550 und 1551 begann Ulners Amtszeit als Pastor der Luciuskirche im Stadtteil Neukirchen. Die währte bis 1554. Ach ja, Stadtteil ist gut. Heute geht man vom Werdener Markt, der quasi zu Füßen der Abteikirche liegt, die Heckstraße entlang bis zur Luciuskirche knappe 600 Meter Richtung Nordwesten, um dorthin zu gelangen. Ihr erinnert euch, in dieser Zeit als Pastor der Luciuskirche, am Michaelistag 1550, soll Ulner die evangelische Kirchengemeinde gegründet haben. In diese Zeit fallen die Bemühungen des werdender Abtes Hermann von Holten, den Autonomiebestrebungen der Filialkirchen St. Lucius und der Clemenskirche einen Riegel vorzuschieben. Der Kölner Erzbischof Adolf von Schaumburg stellte eine Inkorporationsurkunde aus, datiert auf den 13. August 1551. Sie erneuerte die bereits seit dem 14. Jahrhundert festgeschriebene Korporation der Filialkirchen. Vertreter der Entstehungsgeschichte, die Peter Ulner als Gründer der evangelischen Gemeinde beschreibt, sehen darin eine Reaktion auf sein reformerisches Tun. Was regelte die Korporationsurkunde? Die Einnahmen der Kirchen sollten laut der Urkunde fast gänzlich dem Kloster zufließen. Das war lange Zeit nicht der Fall gewesen. Gleichzeitig hatte das Kloster mit intensiver Bautätigkeit in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Schulden angehäuft. Frei werdende Pfarrstellen sollten zudem nicht mehr von sogenannten Weltgeistlichen, sondern nur noch von Mönchen besetzt werden können. Die gute Ausbildung der Mönche gewährleiste eine bessere Betreuung der Kirchen und verhindere somit vor allem die Verbreitung von Irrlehren. Etwa ein Jahr, nachdem einer ihrer gut ausgebildeten Mönche in der Luciuskirche die evangelische Gemeinde werden begründet hat, lässt sich der werdende Abt eine Urkunde ausstellen, die besagt, dass fortan nur noch gut ausgebildete Mönche eingesetzt werden sollen, um... Ähm, weil, hm, das passt ja irgendwie gar nicht. Vor allem nicht, wenn man in der Inkooperationsurkunde eine Reaktion auf reformerische Bestrebungen des Peter Ulner sehen möchte. Wären die Gegenmaßnahmen der Abtei derart fein abgestimmt gewesen, müsste man sich ja wohl sehr wundern, dass der katholische Glauben in Werden überhaupt fortbestehen konnte. Peter Wallmann vermutet folgerichtig, dass Peter Ulner zur Betreuung der Luciuskirche erst in der Zeit nach dem 13. August 1551 angetreten ist, gerade in Befolgung der Kooperationsurkunde. Er war nicht der Reformator, er wurde eingesetzt, um der Verbreitung von Irrlehren entgegenzuwirken. Auch in den Zeugenvernehmungen von 1634 wird der Beginn von Ulners Tätigkeit in der Luciuskirche meist auf das Jahr 1551 datiert. Die Musik-KI Sono hat einen Spottvers vertont, mit dem katholische Schüler in den 50ern des 20. Jahrhunderts Gleichaltrige evangelischen Glaubens provozierten. . Und abschließend noch dies. Konrad Kloedt war Werdener Abt von 1601 bis 1614, also mit etwas, aber auch nicht mit allzu großem Abstand zu den Geschehnissen, um die es hier geht. Er wird von Pfarrer Jacobs 1893 mit der Aussage zitiert, dass es bis zum Jahre 1567 gedauert habe, "bis allerlei Neuerungen wie die Communion unter beiden Gestalten, die Abschaffung der Vigilien, des Weihwassers und der letzten Ölung in Werden eingeführt wurden". Mit diesem Zitat machte Dr. Jacobs in seiner Schilderung der Reformation in Werden gleich klar, wo die Reise hingehen soll. Er zitierte dabei allerdings nicht aus einem Originaldokument, sondern machte in der Anmerkung deutlich, dass dieses Aktenstück sich im Düsseldorfer Staatsarchiv befände. Zitiert wurde es nach einem Text, den er im siebten Band des Bergischen Geschichtsvereins gefunden hatte. Bis dahin, schrieb Jacobs, also bis 1567, hatten Abt und Konvent, wie sämtliche ältere Nachrichten melden, außer der katholischen keine andere Religion und "keinen Irrthum ketzerischen Wesens" im ganzen Stifte gestattet. Demnach wären die Änderungen, für die Paulus Bruyn und Friedrich von Kamen 1568 ihrer Ämter als Pastoren der Werdener Filialkirchen enthoben wurden, und zwar enthoben durch den Klostervogt Wilhelm V - diese Änderungen wären als der erste Irrthum ketzerischen Wesens in Werden anzusehen. In den 50ern des 20. Jahrhunderts gab es natürlich auch einen Reim, mit dem die evangelischen Schüler ihre Raufbereitschaft unter Beweis stellten. Von der Amtsenthebung war schon die Rede und davon, dass Paulus Bruyn und Peter Ulner sich gekannt haben müssen, da sie gleichzeitig Mönche im Werdener Kloster waren. Paulus Bruyn seit 1551 Dass ich denke, dass Paulus Bruyn Zeit seines Lebens ein aufrechter Katholik war und warum er keine ketzerischen Irrtümer vertrat, sondern, wie in seiner Selbstrechtfertigung dargestellt, stets im Rahmen der Klevischen Kirchenordnung sein Amt korrekt katholisch ausgeübt hatte, das habe ich bereits dargelegt. Die Vorwürfe sollten Paulus Bruyn wohl vor allem als Gegenkandidat Heinrich Dudens für die bevorstehende Abtwahl ausschalten. Heinrich Duden wurde dann Vorgänger Konrad Kloedts, den Dr. Peter Jacobs als Kronzeugen zitiert hat, ohne aber direkte Akteneinsicht gehabt zu haben. Jetzt, das heißt in den frühen 50er Jahren des 16. Jahrhunderts, ist der Vorgänger Heinrich Dudens, Hermann Holten, Abt im Werdener Kloster. Das stichhaltigste Argument gegen Ulners öffentliches Auftreten als Reformator von Werden ergibt sich aus seinem weiteren Werdegang, sc Reinhild Stefan Maaser. 1554 erhielt Holten eine Anfrage des Tochterklosters in Helmstedt. Helmstedt in der Nähe von Braunschweig ist Menschen meiner Generation vor allem als ein Grenzübergang zur ehemaligen DDR bekannt. Hier war der westliche Endpunkt der Transitstrecke nach West-Berlin. 1554 benötigte das Ludgeri-Kloster in Helmstedt Hilfe. Weil es damals dort "an gelehrten Leuten gemangelt und das Kloster St. Lüder zum Kloster zu Werden gehörig", kann man in der Leichenpredigt von Siegfried Sack lesen. Das Tochterkloster fand vor allem auch deshalb keine geeigneten Prediger, weil es zu jener Zeit die letzte katholische Bastion in der ansonsten evangelischen Stadt Helmstedt war. Unter anderem wurde das Kloster gebrandschatzt. Es war also kein gemütlicher Ort. Trotz der widrigen Umstände blieb das Helmstädter Ludgeri-Kloster übrigens bis zu seiner Auflösung im Jahre 1802 römisch-katholisch. Für Vertreter der Geschichte, die Peter Ulner als Gründer der evangelischen Gemeinde sehen will, ist die Entsendung Peter Ulners nach Helmstedt eine Bestätigung "Zu allen Zeiten" habe man "schwierige Personalfragen durch Versetzen zu lösen versucht. Und die Abtei Werden, machte es nicht anders". Peter Ulner sei verschoben, "ja, wenn man es so will, befördert worden", meinte Hans-Joachim Massner. Ist es aber wirklich vorstellbar, dass Abt Hermann Holten den Hilferuf aus Helmstedt so beantwortet und ausgenutzt hat, er schickte dem angeschlagenen, wankenden Tochterkloster, das inmitten einer lutherischen Stadt so gerade noch die Stellung hielt. Gezeichnet durch Zerstörung und wirtschaftliche Not infolge von Brandschatzung, dem schickte er seinen unsichersten Kantonisten, nämlich den gelehrten Geistlichen, der gerade in der Lucius-Kirche eine evangelische Gemeinde gegründet haben soll. Nachvollziehbar eigentlich nur, wenn man etwa davon ausgehen möchte, dass Abt Hermann Holten ein führender Geheimagent der evangelischen Kirche gewesen ist. Aber sein hinterhältiger Plan ging nicht auf. Reinhild Stephan Maser vermutet, dass die Zerstörungen im Kloster Helmstedt Peter Ulner die Unversöhnlichkeit klargemacht haben, mit der sich katholischer und evangelischer Glaube mittlerweile gegenüberstanden. Es gab keine Möglichkeit einer Einigung mehr. Die Kirchenspaltung war ein Faktum. Zunächst aber scheinen die Eindrücke, den katholischen Glauben in Peter Ulner gestärkt zu haben. Sein rhetorisches Talent fiel auf. Er wurde nur ein Jahr später, 1555, als Hofprediger an das Schloss des Herzogs Heinrich des Jüngeren von Braunschweig nach Wolfenbüttel berufen. Herzog Heinrich der Jüngere, stand mit beiden Beinen fest im alten Glauben, bekämpfte reformatorische Ansätze. Er verbot zeitweise den Laienkelch und befahl die Spendung der Sakramente nach katholischem Ritus. Sogar der eigene, dem lutherischen Glauben zugewandte Sohn Julius, von dem wir gleich im Zusammenhang mit Peter Ulner erneut hören werden, s der bekam harte Sanktionen zu spüren. Erbberechtigt war Julius erst seitdem seine beiden älteren Brüder in der Schlacht bei Sievershausen 1553 umgekommen waren. Und auch das nur, weil die zweite Ehe seines Vaters kinderlos geblieben war. Dieser Vater, Herzog Heinrich der Jüngere, wurde von Luther in der Schrift "Wider Hans Worst" verspottet. Dieser erzkatholische Vater also, der nebenbei zehn uneheliche Kinder in die Welt gesetzt hatte, dieser Heinrich der Jüngere, sollte Peter Ulner zum Hofprediger berufen haben, obwohl dieser wenige Jahre zuvor genau die vom Herzog verfolgten Neuerungen, wie das Abendmahl in beider Gestalt praktiziert und damit eine evangelische Gemeinde gegründet haben sollte? 1558, widmete Ulner Heinrich dem Jüngeren eine Ausgabe von Texten des Mainzer Dompredigers Johannes Ferus. Vor allem die Widmung legt nahe, dass sich Ulner in dieser Zeit noch einmal stärker dem alten katholischen Glauben zugewandt hatte. Sie endete mit der Versicherung, dass die Schrift "nichts Zweifelhaftes und Ungegründetes, viel weniger etwas kertscheriges enthalte und zu diesen gefahrvollen, unseligen Zeiten das Wort Gottes und das Evangelium Christi ganz rein und lauter und mit bewährter christlicher Auslegung darbiete". Zitiere ich Reinhild Stefan Maser, die die Widmung als Zitat bei Dr. Jacobs gefunden hat. Aber wenn man davon ausgeht, dass Peter Ulner diese Widmung geschrieben hat, dann hatte er in seinem inneren Widerstreit sich noch einmal weit dem alten Glauben in seiner konservativen Form zugewandt. Da er sich sicher nicht so weit abgewandt hatte, wie manche behaupten, musste er sich da nicht verbiegen. Ausschlaggebend waren vielleicht auch die Spuren der Gewalt, mit der die Lutheraner gegen das Helmstädter Kloster vorgegangen waren. Vielleicht haben die einen Eindruck hervorgerufen, den man etwa so formulieren könnte: Wenn die Lutheraner nur stark genug waren, dann ging es denen gar nicht um Fragen des Glaubens. Die wollten möglicherweise nur erobern und wollten katholisches Blut sehen. Dieser Eindruck wäre schon kurze Zeit später relativiert worden. Das Kloster Berge bei Magdeburg wohin Peter Ulner 1559 als Stellvertreter des Abtes berufen wurde, befand sich ebenfalls in einer Region, die lange schon vom Protestantismus eingenommen war. Bereits 1524 hatte Luther zum ersten Mal in Magdeburg gepredigt. Die massiven Zerstörungen des Klosters Berge waren eine Folge des Schmalkaldischen Krieges. Der Schmalkaldische Bund war ein Zusammenschluss protestantischer Kurfürsten und Städte. Kaiser Karl V. sah durch den wachsenden Einfluss des Protestantismus seinen Einfluss schwinden und auch die Legitimation seines Kaisertitels in Frage gestellt. Am 7. Juni 1546 kam es zu einem Vertrag mit Papst Paul III. Der versprach 10.000 Knechte und 500 Reiter sowie finanzielle Unterstützung bereitzustellen. Durch weitere Bündnisse und Stillhalteabkommen, teilweise auch mit protestantischen Fürsten, entstand ein katholisches Bündnis, das militärisch und wirtschaftlich überlegen war. Am 24. April 1547 wurde der Schmalkaldische Bund bei Mühlberg besiegt. Kaiser Karl glaubte, den Protestantismus aus der Welt geschafft zu haben. Doch die Unruhen gingen weiter. Magdeburg leistete bis 1551 Widerstand. Es kam zu neuen protestantischen Bündnissen und 1552 vereinten sie ihre Kräfte mit denen des französischen Königs Heinrich II. Ferdinand I., Bruder Karls V., musste den Passauer Vertrag aushandeln, der den Protestanten weitgehende Rechte einräumte. Deren Bestätigung erfolgte im Jahre 1555 durch den Augsburger Religionsfrieden. Karl V. Dankte im folgenden Jahr, 1556, zugunsten seines Bruders als Kaiser ab. Magd jedenfalls war in diesem Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Kloster Berge, wohin Peter Ulner 1559 mit 36 Jahren als Koadjutor berufen worden war, befand sich in einem beklagenswerten Zustand, so beschreibt es Dr. Wessel de Weldige-Krämer. Und die Lage in Magdeburg schildert er folgendermaßen. Peter Ulner kam 1559 in Magdeburg an einen Ort, wo die Reformation schon länger als ein damaliges Menschenalter, nämlich seit mehr als 30 Jahren, Fuß gefasst hatte. Er kam in eine Stadt, die von inneren Kämpfen zwischen Protestanten und Katholiken erschüttert war. Die innere Zerrissenheit der Stadt, wie der deutschen Lande überhaupt, beruhte aber nur zum Teil auf gegensätzlichen religiösen Überzeugungen, sondern überwiegend auf gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Machtkämpfen. Es ist also nicht nur ein weiterer Karriere-Schritt in seiner beruflichen Laufbahn. Er wird von seinem Benediktiner-Orden zum Stellvertreter des Abtes vom Kloster Berge gemacht. Damit ist aber eben auch eine große Herausforderung verbunden. Wieder von Protestanten umzingelt. Und wieder ein durch Gewalteinwirkung weitgehend zerstörtes Kloster. Und die Erfahrung, dass die Gewalt auch von katholischen Glaubensgenossen ausgehen kann. Und zudem noch ein alter Bekannter, der vielleicht auch alte Loyalitätsverpflichtungen wachruft. Denn einer der benediktinischen Visitatoren, die Peter Ulner für die neue Stelle vorgeschlagen haben, ist der Werdener Abt Hermann von Holten, der ihn einst ins Werdener Kloster aufgenommen und zum Studium nach Köln geschickt hatte. Bereits zwei Jahre später, also 1561, verstarb Heinrich Zirow, der Abt des Klosters Berge, und Peter Ulner war sein Nachfolger 1561... hhm... Moment, da war doch dieses Porträt, das deutliche Hinweise auf einen Übertritt Peter Ulners zum lutherischen Glauben enthielt. Und das hatte schon im Jahre 1560 Batholomäus Bruyn, der Jüngere, im Auftrag Peter Ulners gemalt Bartholomäus Bruyn, der Bruder von Paulus Bruyn, der in Werden jetzt Pfarrer der Luciuskirche war. Am 25. August 1565 erklärt Peter Ulner offiziell den Übertritt zur Reformation mit einer lutherischen Predigt. Gemeinsam mit dem gesamten Konvent. Er ist 41 Jahre alt. Warum dauerte es fünf Jahre von der deutlichen Selbstaussage des Porträts bis zum offiziellen Übertritt 1565? Zumal ein früherer Übertritt des Klosters politisch und wirtschaftlich wohl der einfachere Weg gewesen wäre. Denn ein neuer Erzbischof, so kann man im Text von Dr. Wessel der Weldige Krämer lesen, war auf dem Weg, sich zum evangelischen Glauben zu bekennen. Sigismund von Hohenzollern-Brandenburg, damals gerade 22 Jahre alt. Es drohte die Säkularisation der verbliebenen Klöster des Erzstifts Magdeburg. Was von Kloster Berge noch da war, wäre damit Teil des Vermögens des Erzbischofs geworden. 1562 erschienen tatsächlich protestantische Visitatoren, um die Vermögenswerte des Klosters aufzulisten. Im folgenden Jahr wurden erste Klöster entgegen den Bestimmungen des Augsburger Friedens säkularisiert. Durch einen Übertritt wäre die Gefahr der Säkularisation gebannt gewesen. Mit dem Vermögen eines evangelischen Klosters konnte Sigismund sein Privatvermögen nicht mehren. Und wo Peter Ulner sich sowieso schon evangelisch hatte malen lassen und den Übertritt zumindest innerlich selbst schon 1560 vollzogen hatte Ganz sicher, dass er diesen Schritt nicht verheimlicht hat. Sonst wäre ein Gemälde, für das ja Rechnungen bezahlt werden müssen und das vor allem irgendwo platziert werden muss, keine so gute Idee gewesen. Aber der Platz, den das Bild bekam, muss nicht unbedingt die Eingangshalle des Klosters gewesen sein. Peter Ulner wollte nicht polarisieren. Er war keine Konfrontationen suchende Person. Er war kein Franz Homberg. Möglicherweise war er aber der bessere Luther. Der Satz bleibt stehen. Aus unerfindlichen Gründen mag ich ihn. Aber natürlich war auch für mich sofort zu erkennen Ulner wirkt in seinem Kloster in einem etwas überschaubareren Raum als Luther, das mit seinem Wirken getan hat. Luther wollte lange Zeit keine Spaltung. Er wollte die eine katholische Kirche wieder auf Kurs bringen. Was hat Ulner im Kloster Berge besser gemacht? Ich denke, er wollte in jeden Fall verhindern, dass der Übertritt des Klosters zur Reformation innerer Risse in der Gemeinschaft hervorruft. Risse, die vielleicht zunächst noch verdeckt gewesen wären, bald aber das gemeinsame Wirken gestört hätten. Beim Übertritt sollten zumindest alle Mitglieder des Konvents aus Überzeugung dabei sein. Peter Ulner formte den Konvent in den Jahren vor dem Übertritt. Er berief Männer aus seiner Familie, darunter seinen Bruder, Männer aus seiner Heimatstadt Gladbach, Männer, die zuvor in Werden gewirkt hatten. Das wäre doch ein Ort, an dem das von Bartholomäus Bruyn gemalte Porträt seinen Platz hätte finden können, dort, wo Peter Ulner mit den Kandidaten, den Bewerbern gesprochen hat, wo er erkennen konnte, ob sie die nicht ganz so offensichtliche Aussage des Bildes verstanden und wo er gegebenenfalls ihre Haltung ergründen konnte. Und das Porträt hätte auch evangelischen Visitatoren als stilles Versprechen für die Zukunft präsentiert werden können. Mir kommt es so vor, als ob Peter Ulmer als Abt zunächst einen kleinen evangelischen Ableger des Benediktinerordens begründet hätte. Peter Ulner war nicht der Typ zum kämpferischen Vorausmarschieren, aber er war der richtige Mann, um das Kloster Berge behutsam in neue Gewässer zu lenken. Mit dieser Vorgehensweise hätte er in Werden, umgeben von abwehrbereiten, bestimmenden Katholiken, nichts erreichen können. Werden brauchte einen Franz Homberg, damit eine erste evangelische Gemeinde gegründet werden konnte. Und umgekehrt hätte Peter Ulner in Werden eine evangelische Gemeinde gegründet, deren Spuren wären tiefer und beständiger gewesen. Man könnte sie auch heute noch ohne Zweifel lesen. Und vor allem, diese Gemeinde wäre nicht aus dem Nichts plötzlich aufgepoppt. Man könnte natürlich dagegenhalten, das kann ich angesichts der, Übermacht der übrigen Argumente hier eingestehen. Gerade die Erfahrungen der Vergangenheit in Werden wären ursächlich für die behutsame Vorgehensweise Peter Ulner's in Magdeburg gewesen. So ist das eben mit den spekulativeren Argumenten. Wenn man kurz innehält, kann man oft sofort auch in die entgegengesetzte Richtung galoppieren. Aber... Jedenfalls erklärte Peter Ulner am 25. August 1565 mit einer lutherischen Predigt gemeinsam mit dem gesamten Konvent offiziell den Übertritt des Klosters Berge zur Reformation. Ich fasse kurz zusammen, was Dr. Wessel de Weldige Cremer und Reinhild Stephan Maaser über den Wiederaufbau und die neue Blüte des Klosters Berge bei Magdeburg berichten. 1565 war es mit dem Übertritt zu einem evangelischen Stift geworden. Eine Klosterschule für zwölf Schüler wurde gegründet. Die Bibliothek wurde neu ausgestattet. Die Abtei wurde 1569 zu einem Schulkloster, einer Ausbildungsstätte für evangelische Pastoren. Ulner habe etliche feine Gesellen ins Kloster berufen, kann man in seiner von Siegfried Sack verfassten Leichenpredigt lesen. Der bekannteste Name sei der von Heinrich Hommel, so jetzt wieder Dr. Wessel de Weldige Cremer. Auf Latein, der Sprache der Wissenschaft, hieß dieser bekannteste Henricius Homelius. Er kam 1578 als Professor für Theologie, lehrte aber nicht nur, sondern war auch Superintendent in Magdeburg. Geboren übrigens in Gladbach mit einem Lebensweg, der zwar in anderer Reihung, aber doch viele berufliche Stationen aufweist, die einige Zeit zuvor auch Peter Ulner durchlaufen hatte. Peter Ulner stand bis zu seinem Lebensende in Briefkontakt mit Fürst Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Der führte nach seinem Amtsantritt 1568 die Reformation im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel ein und er modernisierte Verwaltung, R und Wirtschaft. Gleich wird noch einmal von ihm die Rede sein. Neben den Erfolgen beim Wiederaufbau des Klosters Berge dürfte auch dieser Kontakt dazu geführt haben, dass weitere berufliche Aufgaben im gesamten Herzogtum auf Peter Ulner zugamen. 1569 erhielt er zusammen mit den Theologen Jakob Andreä und Martin Chemnitz den Auftrag, die Kirche in Braunschweig-Wolfenbüttel zu reformieren. Ab 1583 wurde er für Visitationen der Kirchen in der Diözese Magdeburg zuständig. Ach ja, 10 Jahre zuvor, 1573, also acht Jahre nachdem er infolge des offiziellen Übertritts zum lutherischen Glauben heiraten durfte, heiratete Peter Ulner am Peter-und-Paul-Tag, also am 29. Juni. Margareta Westphal, Tochter eines Magdeburger Ratskämmerers und Enkelin des Magdeburger Bürgermeisters, wurde seine Frau. In den folgenden Jahren wurden ihnen vier Töchter und ein Sohn geboren. Zur Hochzeit predigte übrigens Siegfried Sack, der erste evangelische Domprediger von Magdeburg, der 1595 auch die Leichenpredigt für Peter Ulner verfasste, aus der wir heute wesentliche Daten seines Lebensweges kennen. Eine andere Beerdigung ist das letzte Ereignis im Leben Peter Ulners, das hier erwähnt werden soll. Die Beerdigung von Heinrich dem Jüngeren, Herzog von Braunschweig, dem letzten Fürsten im niedersächsischen Raum, der dem römisch-katholischen Glauben anhing. Peter Ulner war von 1555 an vier Jahre lang Hofprediger des Verstorbenen gewesen. Diesem, Heinrich dem Jüngeren galten die einzigen und letzten überlieferten, streng altgläubig klingenden Worte Peter Ulners. Von der Widmung war bereits die Rede. Möglicherweise war Ulner auch der Pfarrer, der die Messe zu Ostern im Jahre 1558 gehalten hat. An dieser Messe weigerte sich, der jüngste Sohn von Heinrich dem Jüngeren teilzunehmen. Der hieß Julius und hatte mittlerweile den lutherischen Glauben angenommen. Es kam zum Bruch mit dem Vater. Julius drohte sogar die Verhaftung und er musste an den Hof seines Schwagers Johann von Brandenburg-Küstrin, fliehen. Brandenburg-Küstrin war bereits seit 1535 fest in evangelischer Hand. Julius hatte aber von vornherein keine guten Karten bei seinem draufgängerischen Vater. Er hatte zwei ältere Brüder, die vorbereitet wurden, das Land zu regieren. Die beiden älteren Brüder fielen allerdings 1553 in der Schlacht von Sievershausen. Eigentlich wäre also jetzt Julius Thronfolger gewesen. Wegen eines Unfalls in jungen Jahren hatte Julius leicht deformierte Füße. Für das Reiten und Jagen interessierte er sich nicht. Das führte dazu, dass seine Ausbildung auf eine kirchliche Laufbahn ausgerichtet wurde. Der Vorwurf, charakterlich ungeeignet für die Thronfolge zu sein, hatte aber wohl auch damit zu tun, dass er sich vom katholischen Glauben des Vaters abgewandt hatte. Ich polarisiere hier und falle dabei möglicherweise auf Agitation seiner Zeit herein. Mit seiner wild kriegerischen Art und seinen zehn unehrlichen Kindern bot Heinrich der Jüngere einiges an Angriffsfläche. Gerade reformatorischen Kräften diente er wohl auch als Spottfigur. Martin Luther, wie gesagt, ging in seiner Schrift »Wieder Hans Worst« auf ihn ein. Es gibt aber auch andere Quellen, die etwa besagen, dass Heinrich der Jüngere zeitweise auch reformerische Ansätze duldete, etwa das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zuließ. 1528 warb er für eine militärische Unternehmung zur Unterstützung Kaiser Karls V. in Italien den Heerführer Asche von Cramm an. Der war ein guter Freund Martin Luthers, der wiederum aus Veranlassung des adeligen Ritters die 1526 erschienene Schrift »Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können« verfasste. Es gab immer wieder auch hochrangige Beamte am Hof Heinrich des Jüngeren, die sich offen zum evangelischen Glauben bekannten. Im Jahr vor seinem Tod, im Jahre 1567, soll Heinrich der Jüngere dann erklärt haben, die Confessio Augustana für wahr zu halten. Und auf dem Sterbelager... aber dazu gleich mehr. Julius, sein bekennend evangelischer Sohn, beschäftigte sich auch nach Abschluss seines Studiums mit wissenschaftlichen Fragen, vor allem mit Verwaltung und Wirtschaft. Und er erprobte seine Vorstellungen bereits im regionalen Rahmen. hatte sich zeitweise auf ein Schloss in der Nähe der Residenz seines Vaters zurückgezogen. Und irgendwie macht es den Eindruck, als habe er sich dort auf die Übernahme der Herrschaft vorbereitet. Verwaltung und Wirtschaft wurden dann nach seinem Amtseintritt erneuert Bergbau und Hüttenwesen im Harz florierten. Wasserstraßen wurden schiffbar gemacht. Eine Waffenindustrie etablierte sich in Wolfenbüttel. Die Gründung einer Universität in Helmstedt und natürlich ein gründlicher Umbau der Kirche. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt, im Jahr 1568, erklärte er den Übertritt seines Herzogtums zur Reformation. Er verbot katholische Messen. Er erließ eine neue Kirchenordnung. Wikipedia fasst zusammen. Nach seinem Tod 1589 hinterließ Julius seinem Sohn und Nachfolger Heinrich Julius ein wohlgeordnetes und finanziell gesundes Fürstentum. Das hatte Heinrich der Jüngere lange zu verhindern versucht. Nach dem Tod seiner beiden ältesten Söhne hatte er erneut geheiratet. Die Kinder aus dieser Ehe wären erbberechtigt gewesen. Julius wäre mit einer Leibrente abgespeist worden. Allein die zweite Ehe blieb kinderlos. Zuletzt hatte Heinrich der Jüngere noch erwogen, eines seiner zehn unehelichen Kinder durch den Papst legitimieren und zu seinem Nachfolger erklären zu lassen. Doch der auserkorene uneheliche Sohn lehnte ab. 1568 verstarb Heinrich der Jüngere ohne einen Thronfolger, den er selbst zu Lebzeiten für geeignet, und das hieß bei ihm wohl auch, für katholisch genug, gehalten hatte. 1568 war auch das Jahr, in dem in Werden Paulus Bruyn vom Klostervogt für zwei Jahre auf der Burg Blankenstein interniert wurde, um die Wahl Heinrich Dudens zum neuen Abt des Klosters Werden zu sichern. Der evangelische Sohn von Heinrich dem Jüngeren, Julius, verkündete 1568, sein Vater habe auf dem Sterbebett noch die Wahrheit des lutherischen Glaubens erkannt. So wurde Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig evangelisch beerdigt. Es wurden reformierte Lieder in deutscher Sprache gesungen. In deutscher Sprache wurde gebetet. Der katholische Pfarrer durfte anwesend sein, aber sagen durfte er nichts. Und die Leichenpredigt hielt Peter Ulner. Peter Ulner, der bis 1559 Hofprediger des Verstorbenen gewesen war. Und der sich 1565, also drei Jahre vor dieser Beerdigung, offiziell zum lutherischen Glauben nach der Augsburger Konfession bekannt hatte. Mit dem evangelischen Sohn und Nachfolger des Verstorbenen, mit Julius, Fürst von Braunschweig-, Wolfenbüttel, stand Peter Ulner bis zu dessen Tod 1589 in Briefkontakt. Und die 90er Jahre des 16. Jahrhunderts, um die Veränderungen und Umbrüche in Werden in einen zeitlichen Bezug zu bringen, das war die Zeit, in der Franz Homberg sich radikalisierte, nicht mehr fror und mit genügend Kleidern und Unterstützung der Stadt Werden dort eine evangelische Gemeinde begründete. Am 6. September 1595 verstarb in Magdeburg Peter Ulner mit 71 Jahren. Noch ein kurzes Statement zum Peter-Ulner-Platz. Meines Erachtens kann er gerade dann oder sogar nur dann ein Zeichen für die Ökumene sein, wenn man den Namen Peter Ulners nicht mit falschen Lebensleistungen belastet. Gerade die Tatsache, dass er im katholischen und dann später im evangelischen Glauben beheimatet war, lässt ihn geeignet erscheinen, Vorbild für die Ökumene zu sein. Und bei seinem Übertritt hinterließ er keine verbrannte Erde. Gerade deshalb, weil er keine mutigen Trennstriche gezogen und keine dramatischen Gesten benötigt hat, weist seinen Lebenslauf auf die Gemeinsamkeiten der Konfessionen hin. Meines Erachtens sollte der Platz von der Last der Lebensdaten befreit werden, die dem Reich der Fabel entstammen. Danke fürs Zuhören. Am 15. Januar kommt die nächste Folge heraus. Es würde mich freuen, wenn ihr wieder dabei seid, bei:
hans
01:56:08
Der Name der Straße.
"Fragender"
01:56:17
Gott, leck mich am Arsch! Entschuldige.
"Robert Hempel"
01:56:20
Geht das so?
"Dr. Peter Jacobs"
01:56:20
Ja, das kann ich ja auch nicht so gut. Kon... su... tarial rat .
"Fragender"
01:56:26
Boah, das ist ja vielleicht 'n Text, du!
"Zeuge"
01:56:28
Meine Güte, ist das ein Satz! Kein Komma, nix drin!